Einst lebte die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) in nahezu allen Wäldern Europas. Doch durch intensive Bejagung waren die scheuen Einzelgänger Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland und anderen Teilen Mitteleuropas nahezu ausgerottet. Erst seit die Wildkatzen unter Schutz stehen, erholen sich ihre Bestände wieder – wenn auch langsam. Denn ihr bevorzugter Lebensraum – naturnahe Laub- und Mischwälder mit alten Baumhöhlen und einem hohen Totholzanteil – gibt es heute in Deutschland nur noch stark vereinzelt.
Grüne Korridore für den scheuen Jäger
“Straßen und Siedlungen wachsen und zerschneiden die Wälder. Gehölzgruppen und -säume gehen durch die Intensivierung der Landbewirtschaftung verloren”, erklärt Alfred Herberg vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). Um dies zu ändern und die Wiederausbreitung der Wildkatze zu unterstützen, werden im Rahmen des Projekts “Wildkatzensprung” von BUND und BfN in fünf Bundesländern grüne Korridore aus bis zu 50 Meter breiten Waldstreifen zwischen Wildkatzenwäldern gepflanzt.
Ob diese Waldverbindungen etwas gebracht haben, zeigen nun die ersten Ergebnisse einer weltweit einmaligen Untersuchung der deutschen Wildkatzenbestände. Seit 2011 wurden dafür in zehn Bundesländern von freiwilligen Helfern mehr als 2.400 Haarproben gesammelt und von Forschern genetisch analysiert. Um an die Haare zu gelangen, wurden mit Baldrian besprühte Lockstöcke aufgestellt. Die Katzen reiben sich daran und hinterlassen dabei Haarproben.
Strategie erfolgreich – aber noch nicht ausreichend
Das Ergebnis der Analysen: Tatsächlich breitet sich die Wildkatze in Deutschland wieder aus. In Teilen West- und Süddeutschlands haben ihre Bestände zugenommen, so die Projektforscher. Gleichzeitig blieben jedoch viele Wälder, die eigentlich als Lebensraum geeignet wären, bisher leer. Zudem zeigt das Erbgut der Katzen, dass viele Wildkatzenbeständen genetisch voneinander isoliert sind. Dies deutet auf Ausbreitungsbarrieren hin, die Wildkatzen schwer überwinden können.
“Während beispielsweise in Nordrhein-Westfalen in der Nähe von Bonn oder in Nord- und Mittelbayern überraschend viele Nachweise gelangen, sind im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und im Osten Deutschlands noch immer keine Wildkatzen heimisch”, erläutert Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND. “Dies zeigt, dass die Wildkatzen bis hierhin noch nicht wandern konnten und an ihrer Wiederausbreitung gehindert werden.”






