Interview: Hannah Möller
natur: CO2-Zertifikate stehen massiv in der Kritik, auch solche für Baumpflanzinitiativen. Damit wurde viel betrogen. Warum halten Sie weiterhin daran fest?
Johannes Schwegler: Eigentlich weiß doch jeder, dass wir Bäume pflanzen müssen. Sie kühlen unseren Planeten und binden CO2 aus der Atmosphäre. Wir können jetzt nicht sagen: Wir machen keine Waldprojekte mehr. Wir brauchen Wälder, wir brauchen die Forstwirtschaft. Wir können nicht aufhören aufzuforsten, nur weil wir die Monitoring-Methoden nicht im Griff haben.
Lassen sich denn gerodete Flächen überhaupt wieder bewalden?
Wichtig ist, dass es noch keine Wüsten sind. Dass es noch Vögel gibt, die Samen verteilen. Wenn die leeren Flächen zu groß werden, es über Hunderte von Kilometern hinweg keine Biodiversität mehr gibt, wird es sehr schwierig. Wenn es sich bei solchen Flächen aber nur um kleinere Flicken handelt und es in ein, zwei, drei Kilometern wieder Natur gibt, können die Waldflächen wieder zusammenwachsen.
Warum sind eigentlich viele der Projekte für CO2-Zertifkate im globalen Süden angesiedelt? Wären Projekte vor unserer Haustür nicht sinnvoller?
Wir brauchen definitiv beides! Wir sollten alle Hebel bei uns in Bewegung setzen, also zum Beispiel unsere Bauern dafür bezahlen, dass Sie Humus aufbauen und Kohlenstoff im Boden binden. Bei den Bäumen ist es so, dass sie in den Tropen bis zu fünf Mal schneller wachsen und die Kosten fünf Mal niedriger sind. Es macht also unbedingt Sinn, auch dort unsere begrenzten Ressourcen maximal fürs Klima einzusetzen.
Wie haben Sie mit dem Zertifikate-Geschäft begonnen?
Vor zehn Jahren haben wir mit einer NGO angefangen, Spenden zu sammeln und Bäume zu pflanzen. Dabei haben wir aber gemerkt, dass viele Pflanzen auf der Strecke bleiben. Wir haben im ersten Jahr 70.000 Setzlinge verteilt, ein halbes Jahr später waren nur noch 22.000 Bäume da. Unsere Nachforschungen ergaben: Ein Teil der Setzlinge stand noch beim Bauern in der Ecke, ein anderer Teil ist wegen der Trockenheit nicht angewachsen, ein Teil wurde weiterverkauft. Wir haben daraus gelernt, dass wir ein strengeres Monitoring-System aufbauen müssen. Es geht nicht nur darum, eine gewisse Anzahl Setzlinge zu verteilen, sondern auch nachzuhalten, wie viele Bäume tatsächlich wachsen und gepflegt werden.





