Die tropischen Regenwälder speichern große Mengen CO2, die bei ihrer Abholzung freigesetzt würden. Das Programm REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and forest Degradation in developing countries), das auf Initiative der Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde, soll deshalb Waldflächen vor der Abholzung bewahren, indem es das andernfalls freigesetzte CO2 in handelbare Gutschriften umrechnet. Die Zertifikate, die Unternehmen und Privatpersonen als Ausgleich für eigene CO2-Emissionen kaufen können, stellen eine freiwillige Ergänzung zum offiziellen europäischen Emissionshandel dar, bei dem Firmen bestimmter Branchen verpflichtet sind, Zertifikate für ihre Emissionen zu erwerben. Viele Unternehmen nutzen die freiwilligen CO2-Zertifikate aus REDD+-Projekten, um mit Klimaneutralität zu werben.
Historische Trends statt realer Vergleiche
Das Problem der Zertifikate: Um zu bestimmen, wie viel CO2 tatsächlich durch den Schutz einer bestimmten Waldfläche eingespart wird, müssen Prognosen dazu herangezogen werden, wie das Schicksal des entsprechenden Waldstücks ohne das Projekt aussähe. Ein Team um Thales West von der Universität Amsterdam in den Niederlanden kommt nun in einer Studie zu dem Ergebnis, dass die meisten dieser Prognosen von unrealistisch hohen CO2-Einsparungen ausgehen. Dadurch werden wesentlich mehr CO2-Zertifikate verkauft als tatsächlich CO2 vermieden wird. Nach der bisher gängigen Methode beruhen die Abschätzungen zum einen auf historischen Trends zur Abholzung ähnlicher Flächen sowie auf Schätzungen zur weiteren Bevölkerungsentwicklung und Landnutzung in den entsprechenden Regionen. Diese sind den Forschenden zufolge allerdings oft ungenau und berücksichtigen überdies nicht aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen.
Um abzuschätzen, wie viel CO2 tatsächlich durch die zertifikatfinanzierten Schutzzonen eingespart wurde, haben West und sein Team 26 REDD+-Projekte in Peru, Kolumbien, Kambodscha, Sambia, Tansania und der Demokratischen Republik Kongo mit einer anderen Methode unter die Lupe genommen: „Wir haben reale Vergleichsstandorte herangezogen, um zu zeigen, wie jedes der von uns untersuchten REDD+-Waldprojekte höchstwahrscheinlich heute aussehen würde, anstatt uns auf Extrapolationen historischer Daten zu verlassen, die eine Vielzahl von Faktoren, von politischen Veränderungen bis hin zu Marktkräften, außer Acht lassen“, erklärt West.





