Im Jahr 2015 hat sich die Weltgemeinschaft darauf geeinigt, die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad gegenüber präindustriellen Werten zu begrenzen. Doch diese 1,5-Grad-Schwelle wurde schon überschritten, zumindest für ein Jahr: 2024 lag die globale Jahresmitteltemperatur erstmals 1,52 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Gleichzeitig gehen die weltweiten Treibhausgasemissionen nicht zurück, sondern steigen weiter. Vor diesem Hintergrund berechnen Forschende der Initiative „Indicators of Global Climate Change“ (IGCC) seit einigen Jahren regelmäßig, wie viel Treibhausgase noch in die Atmosphäre gelangen dürfen, um die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens nicht mehrjährig zu reißen. Für ihre Analysen berücksichtigen sie zehn Indikatoren für den Klimawandel. Jetzt hat das IGCC-Team um Piers Forster von der University of Leeds die aktuellen Zahlen veröffentlicht.

CO2-Budget reicht nur noch für drei Jahre
Das ernüchternde Ergebnis: Das verbleibende Emissionsbudget der Menschheit beträgt seit Beginn des Jahres 2025 nur noch rund 130 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (GtCO2). Setzen wir Treibhausgase weiterhin im aktuellen Tempo und Umfang frei, wäre dieses Budget bereits in knapp drei Jahren aufgebraucht. Spätestens dann müssten die globalen Emissionen auf „Netto-Null“ gesunken sein, um zumindest noch eine 50:50-Chance auf Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles zu haben, wie die Zahlen zeigen. Um zumindest eine 83-Prozent-Chance zu haben, dürften wir sogar nur noch 30 GtCO2 ausstoßen.
Würden wir eine maximale Erderwärmung von 1,6 oder 1,7 Grad anpeilen, wäre das zur Verfügung stehende CO2-Budget zwar mit 310 oder 490 Milliarden Tonnen Kohlendioxid etwas größer. Doch auch diese CO2-Menge könnte beim derzeitigen Emissionsniveau innerhalb von neun Jahren überschritten werden, wie die Berechnungen ergaben. Hinzu kommt: Das Klimasystem reagiert mit Verzögerung auf unsere Treibhausgas-Emissionen. Die durch die heutigen CO2-Werte verursachte Erderwärmung kommt dadurch erst Jahrzehnte später voll zum Tragen, ebenso deren Folgen wie Wetterextreme.





