Die Metropolen wachsen: Schon jetzt lebt gut die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, bis zum Jahr 2050 werden es nach Schätzungen der UN schon zwei Drittel sein. Das aber hat Folgen. Denn die Ballungsräume mit ihrer dichten Bevölkerung verbrauchen enorme Mengen an Ressourcen. Die Stadtbewohner benötigen Strom, Wasser und jede Menge Konsumgüter – und all das muss meist von außerhalb importiert werden. Städte spielen daher auch beim Kampf gegen den Klimawandel eine entscheidende Rolle.
CO2-Fußabdruck reicht über Stadtgrenze hinaus
Bisher allerdings konzentrieren sich sowohl die Erhebungen der städtischen Treibhausgas-Emissionen als auch die Klimaschutzbemühungen auf die sogenannten territorialen Emissionen – das CO2, das direkt im Stadtbereich freigesetzt wird. Doch das ist noch lange nicht der gesamte CO2-Fußabdruck einer Stadt, wie Peter-Paul Pichler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Kollegen festgestellt haben.
Für ihre Studie hatten die Forscher am Beispiel von Berlin, New York, Mexiko-Stadt und Delhi untersucht, wie groß die indirekten, vorgelagerten Emissionen von Großstädten sind. Dieser CO2-Ausstoß entsteht beispielsweise, wenn für den Strombedarf der Städter anderswo Kohlekraftwerke laufen, aber auch wenn Zement und andere Baustoffe im Umland produziert oder Konsumgüter importiert werden.
Wohnen und Verkehr mit Fernwirkung
Das Ergebnis: Der CO2-Fußabdruck, den eine Großstadt außerhalb ihres Stadtgebiets erzeugt, ist mindestens ebenso groß wie die Emissionen in der Stadt selbst – teilweise sogar noch größer. So kommt Berlin beispielsweise im Schnitt auf territoriale Emissionen von 5,6 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr. Außerhalb seines Stadtgebiets verursacht die Stadt aber zusätzlich 7,6 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr, wie die Forscher ermittelten. Mehr als die Hälfte der vorgelagerten Emissionen entstehen dabei außerhalb Deutschlands, vor allem in Russland und China, sowie in der Europäischen Union.

CO2-Fußabdruck Berlins und Länder, die von dieser “Fernwirkung” betroffen sind. (Grafik: PIK/ Peter-Paul Pichler)
Die Hauptursache für diese “Fernwirkung” ist dabei jedoch nicht der Konsum von Produkten: “Es stellt sich heraus, dass dieselben Aktivitäten, die die meisten lokalen Emissionen städtischer Haushalte verursachen – Wohnen und Transport – auch für den Großteil der vorgelagerten Emissionen an anderer Stelle der Versorgungskette verantwortlich sind”, berichtet Pichler.





