Wo halten sich große Tiere in ihrem Verbreitungsgebiet am ehesten auf, welche Wanderrouten nutzen sie und wo kommen sie dabei in Kontakt mit der Zivilisation? Über die Bewegungsmuster Bescheid zu wissen oder sie voraussagen zu können, hat eine große Bedeutung für Mensch und Tier. Die Informationen sind dabei für die Land- und Forstwirtschaft sowie den Natur- und Landschaftsschutz in den betreffenden Regionen wichtig. Im Fall von Raubtieren wie Bär oder Wolf kann es bei Überschneidungen der Aufenthaltsorte mit denen von Nutztieren oder Personen außerdem zu Konflikten kommen, die etwaige Schutzbemühungen beeinträchtigen. Informationen über mögliche Hotspots können deshalb dem Management von potenziell problematischen Tierarten zugutekommen.
Übliche Verfahren sind aufwendig
Um Bewegungsmusterkarten von Wildtieren zu erstellen, werden bisher meist Langzeit-Erhebungen – sogenannte Telemetriedaten – erhoben. Sie stammen von einzelnen Tieren, die mit Funksendern ausgerüstet wurden. Diese Art der Kartierung ist allerdings zeitaufwendig und teuer. In vielen Regionen können Telemetriedaten aufgrund fehlender Funkverbindungen auch kaum erhoben werden. Ein Beispiel dafür ist der Sirente-Velino-Regionalpark in den italienischen Abruzzen. In der rund 50.000 Hektar großen Bergregion existiert noch eine Restpopulation des europäischen Braunbären (Ursus arctos marsicanus). Für den Schutz dieser Tiere sowie der Interessen der Menschen in der teils besiedelten Region wären bessere Informationen über Laufwege und Rückzugsorte der Bären wichtig. Doch wie in anderen Regionen auch, konnten im Sirente-Velino-Regionalpark keine nutzbaren Telemetriedaten erhoben werden.
Um auch ohne diese Informationsquelle grundlegende Bewegungsmusterkarten erstellen zu können, haben die Forscher um Emilio Berti von der Friedrich-Schiller-Universität Jena nun die Software „enerscape“ entwickelt. „Das Besondere ist, dass die Software nur sehr wenig Datenmaterial als Grundlage benötigt“, erklären die Forscher. Das System basiert auf der Abhängigkeit der Bewegungsmuster von den topographischen Merkmalen der Landschaft. Denn Tiere suchen sich – wenn möglich – eher wenig anstrengende Routen durch das Auf und Ab des Geländes. Für das System wird zunächst aus dem Gewicht eines Tieres und seinem allgemeinen Bewegungsverhalten der grundlegende Energieaufwand ermittelt, den es für eine Strecke benötigt. Diese Werte kann die Software dann mit den bekannten Landschaftsmerkmalen eines Gebietes verknüpfen, erklären die Wissenschaftler.
Informationen über potenzielle Konflikt- und Schutzzonen
„Aus diesen Informationen können wir dann sogenannte Energielandkarten für die Tiere erstellen. Es handelt sich dabei um errechnete statt gemessene Bewegungsmusterkarten und sie stellen damit eine kostengünstige Alternative zu traditionellen Karten dar. In speziellen Anwendungsfällen, wie zum Beispiel im italienischen Nationalpark, macht unser Verfahren das Erstellen von Bewegungsmusterkarten überhaupt erst möglich“, sagt Berti.





