Die Chinesische Mauer behindert offensichtlich den genetischen Austausch mancher Pflanzen. Das belegen Untersuchungen chinesischer Forscher. Exemplare der selben Art, die auf unterschiedlichen Seiten des längsten Bauwerks der Erde wachsen, haben unterschiedliche Gene, berichten die Biologen in der Fachzeitschrift ” Heredity” ( Bd. 90, S. 212).
Vor allem der Genaustausch vom Wind bestäubter Pflanzenarten wird von dem sechs Meter hohen und ebenso breiten Gemäuer beeinträchtigt, haben Hongya Gu von der Universität Peking und ihre Kollegen herausgefunden. Pflanzen, die von Insekten befruchtet werden, sind dagegen weniger stark betroffen und haben sich kaum auseinander entwickelt.
Die Wissenschaftler hatten das Erbgut von sechs Pflanzenarten in drei unterschiedlichen Lebensräumen untersucht. An zwei Stellen trennte die riesige Mauer die Artgenossen voneinander. An einer Kontrollstelle verlief lediglich ein schmaler Bergpfad durch die Vegetation. Pflanzen, deren Lebensraum von der Chinesischen Mauer geteilt wurde, unterschieden sich genetisch weit mehr voneinander als ihre nur von einem Weg getrennten Artgenossen, stellten die Forscher fest.
Ähnliche Phänomene kennen Biologen von Lebensräumen, die von einer natürlichen Grenze wie einer Bergkette oder einem Gletscher unterteilt werden. Die Veränderungen pflanzlichen Erbgutes entlang der Chinesischen Mauer treten möglicherweise bereits seit 600 Jahren auf, seit die Mauer an dieser Stelle zur Zeit der Ming-Dynastie erbaut wurde, vermuten Gu und ihre Kollegen.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





