Urzeitlich wirkende Wesen mit scharfen Zähnen: Einst gab es eine große Vielfalt bei den Vertretern der Krokodile (Crocodylia), wie aus Fossilienfunden bekannt ist. Heute lauern nur noch 25 Krokodilarten in verschiedenen Teilen der Welt im Wasser auf Beute. Man ordnet sie drei Familien zu: den sogenannten Echten Krokodilen, den Alligatoren und den Gavialen. Letztere umfassen nur zwei Arten – den Gangesgavial (Gavialis gangeticus) und den Sundagavial (Tomistoma schlegelii), der im Süden der Malaiischen Halbinsel sowie auf Borneo und Sumatra vorkommt. Man vermutete allerdings, dass das Verbreitungsgebiet des bis zu fünf Meter langen Sundagavials einst auch bis in den Süden Chinas gereicht haben könnte.
Ein spezieller Vertreter der Gaviale
Tatsächlich existierte dort aber offenbar eine eigne, bisher unbekannte große Krokodilart, wie nun aus der Studie der Forscher um Masaya Iijima von der japanischen Universität Nagoya hervorgeht. Die Ergebnisse basieren auf der Untersuchung von Überresten, die an verschiedenen Stellen in der südchinesischen Provinz Guangdong gefunden wurden. Sie decken einen Großteil des Skeletts des Reptils ab. Vor allem zwei besonders gut erhaltene Exemplare standen dabei im Fokus der Untersuchungen.
Wie die Forscher berichten, ergaben ihre Analysen, dass es sich um eine bisher unbekannte Art aus der Gruppe der Gaviale gehandelt hat, die eine Länge von sechs Metern erreichte. Das Tier besaß eine vergleichsweise schlanke Schnauze, wie es für diese Familie typisch ist. Sie gaben dem neuen Vertreter den Namen Hanyusuchus sinensis. “Das Spannende ist, dass die Art auch einige wichtige Schädelmerkmale mit den übrigen Krokodilen gemeinsam hat”, sagt Iijima. „Dies hat eine große Bedeutung, da der Befund Licht auf die bisher unklare Frage werfen könnte, wie, wann und auf welche Weise sich die Krokodile zu den drei Familien entwickelt haben, die heute noch auf der Erde leben”, so der Wissenschaftler.
Rituell enthauptet?
Doch daneben gibt es noch eine weitere spannende Komponente: Die Radiokarbondatierungen und Analysen der Knochen ergaben, dass die beiden Exemplare vor rund 3000 Jahren lebten – ausgestorben sind sie offenbar erst durch Menschenhand. Die Überreste weisen zahlreiche Hackspuren auf, berichten die Forscher. Eines der Tiere wurde wahrscheinlich sogar gezielt geköpft, und zwar mit einer Bronzeklinge. In dem Einsatz dieses besonderen Werkzeugs sehen sie einen Hinweis darauf, dass sich die „Enthauptung“ im Rahmen eines Rituals abgespielt haben könnte. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler deshalb auch eine umfangreiche Recherche in historischen Überlieferungen durchgeführt. Wie sie berichten, stießen sie dabei auf zahlreiche Hinweise, die sich auf Hanyusuchus beziehen könnten und nicht auf den heute noch existierenden, nur etwa zwei Meter langen China-Alligator (Alligator sinensis).





