Der Bund ist einer der größten Gebäudeeigentümer in Deutschland. Er verfügt über mehr als 4.500 zivile und militärische Liegenschaften sowie über etwa 40.000 Wohnungen. Zusammengerechnet ergibt das eine Gesamtfläche von rund 50 Millionen Quadratmetern. Um den eigenen Klimazielen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, hat die Bundesregierung sich selbst dazu verpflichtet, all diese Gebäude so nachzurüsten, dass sie Vorbilder in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz werden. Denn in dieser Hinsicht liegt der Gebäudesektor in Deutschland noch weit hinter den Klimazielen zurück.
Nur drei Ministerien sind energieeffizient
Doch offenbar wird die Bundesregierung ihrem selbst gesteckten Ziel nur teilweise gerecht, wie eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nun zeigt. Für ihren Klimacheck hat die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation einen Blick auf die Bedarfsausweise der Bundesministerien geworfen. Ein Bedarfsausweis gibt den Energiebedarf eines Gebäudes an, basierend auf Eigenschaften wie Baujahr, Wohnfläche und genutzter Heizungsart. Für Wohngebäude ist dieser Energieausweis vorgeschrieben, bei Büroräumen noch nicht. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe haben sechs der 15 Ministerien ihren Bedarfsausweis nicht herausgegeben, darunter Wirtschafts- und Finanzministerium. Wie es um ihre Energieeffizienz steht, ist Stand jetzt also nicht bekannt.
Was jedoch die restlichen neun Ministerien angeht, so zieht die Deutsche Umwelthilfe eine eher ernüchternde Bilanz. Insgesamt sind nur drei Bundesministerien in einem guten energetischen Zustand: das Umwelt-, das Landwirtschafts- und das Bildungsministerium. Ihr Primärenergiebedarf liegt bei weniger als 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und erreicht damit die Energieeffizienzklasse B. Bei den anderen Ministerien, die ihren Bedarfsausweis zugänglich gemacht haben, ist der Energiebedarf doppelt so hoch und entspricht der Klasse E. Drei von ihnen planen allerdings, dies zu ändern, wobei sich das Gesundheitsministerium sogar bereits in der Sanierung befindet.
Fossile Brennstoffe in allen Ministerien
Zur geringen Energieeffizienz kommen auch Mängel bei der Nachhaltigkeit. Denn alle 15 Berliner Ministeriumsgebäude werden fossil beheizt, wie die Deutsche Umwelthilfe berichtet. Ihr Klimacheck zeigt, dass dabei zu 64 Prozent Erdgas und zu 17 Prozent Fernwärme zum Einsatz kommt. Letztere setzt sich in Berlin hauptsächlich aus Erdgas und Steinkohle zusammen. Selbst das Bildungsministerium, das überwiegend mit erneuerbaren Energien heizt, schaltet laut Umwelthilfe bei Bedarf die Gasheizung ein.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, kritisiert: „Die Bundesregierung hat bei ihren Ministerien sowohl bei der nachhaltigen Wärmeversorgung als auch bei der energetischen Sanierung massiven Nachholbedarf. Es müssen jetzt sofort Sanierungspläne für alle öffentlichen Gebäude vorgelegt und umgesetzt werden – nicht nur für die Dienstsitze der Ministerinnen und Minister, sondern für alle Gebäude der öffentlichen Hand wie Schulen, Kitas oder Pflegeeinrichtungen.“ Die Organisation fordert außerdem ein Transparenzregister, das den energetischen Zustand und die Wärmeversorgung aller öffentlichen Gebäude für jeden einsehbar macht.





