Wenn man einem bestimmten Internet-Gesundheitsdienst eine Liste seiner Wehwehchen durchtippt, antwortet dieser Dienst nach Darstellung seines Herausgebers mit differenzierten Empfehlungen: Ein Arztbesuch sei ratsam, dringend notwendig – oder “in diesem Fall tut es auch ein Wadenwickel”.
Mit der Wadenwickel-Empfehlung hat das “Mediportal” sich nach Ansicht der Bundesärztekammer bereits über das Verbot hinweggesetzt, das Ärzten Ferndiagnosen ohne Inaugenscheinnahme von Patienten untersagt. An diesem Verbot wolle die Bundesärztekammer auch in Zukunft festhalten, betonte am Montag Otmar Kloiber, Dezernent in der Geschäftsleitung der Bundesärztekammer, auf einer Pressekonferenz über Internet-Gesundheitsdienste in Bonn.
Internet-Gesundheitsdienste, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen, verstoßen laut Kloiber nicht selten gegen die ärztliche Berufsordnung, bisher habe die Bundesärztekammer aber noch keine Abmahnungen verschickt und sehe in solchen Internetdiensten auch keine Konkurrenz für Deutschlands Ärzte. Diese Dienste seien allerdings qualitativ sehr unterschiedlich und unterlägen keinerlei Zensur.
Die Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf sieht in der zunehmenden Zahl von “Mediportalen” die Gefahr, dass die “Schere zwischen Wissenden und Unwissenden immer weiter klafft”, da nicht jeder Zugang zum Internet habe. Den Internet-Usern müsse geholfen werden, Seriöses von Unseriösem zu unterscheiden und die Informationen von Pharmafirmen, die einseitig ihre Produkte darstellten, und von Scharlatanen zu erkennen, die ihre Heilungsversprechen für Geld an den Mann bringen wollten. Hierzu habe die Verbraucherzentrale NRW Orientierungshilfen für den Angebotsdschungel Gesundheitsmarkt erarbeitet.
Das Bundesgesundheitsministerium sieht auch positive Seiten der Gesundheits-Informationsdienste im Internet, warnt aber gleichzeitig, dass die Informationen solcher “Mediportale” Arztbesuche nicht ersetzen könnten. “Sie haben aber eine Ergänzungsfunktion”, meinte Edwin Smigielski, Abteilungsleiter im Ministerium. Auch er ist der Auffassung: “Ferndiagnosen haben im Internet nichts zu suchen”.
Peter W. Fischer, dpa





