Der Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat enorme Auswirkungen auch auf unsere Energieversorgung. Denn vorher war Russland der größte Erdgaslieferant für Deutschland und viele andere Länder der EU. Durch die Sanktionen von Seiten der westlichen Länder und den Stopp der russischen Erdgaslieferungen ist Deutschland gezwungen, sich andere Energiequellen zu erschließen, darunter auch Lieferungen von Flüssiggas (LNG) per Schiff. Es entsteht, indem man Erdgas auf 161 bis 164 Grad Celsius herabgekühlt und dadurch sein Volumen reduziert.
Rügen-Terminal auf dem Prüfstand
Um das flüssige Erdgas zur Produktion von Strom und Wärme nutzen zu können, muss es allerdings vom Schiff an Land gelangen und wieder in seinen Ursprungszustand versetzt werden. Diese sogenannte Regasifizierung geschieht in speziellen Terminals, die Deutschland bereits in Wilhelmshaven und Lubmin gebaut hat. Ein weiteres sollte eigentlich bald vor der Küste Rügens entstehen, doch Demonstranten wehren sich schon seit Monaten gegen den Bau. Sie sorgen sich unter anderem darum, dass dann keine Touristen mehr die Insel besuchen wollen, und dass das Terminal die umliegende Ostsee und die Luft verpestet. Einige sind auch der Meinung, dass der russische Gasmangel längst ausgeglichen und das Terminal daher gar nicht mehr erforderlich ist.
Den Fragen nach der Klimaschädlichkeit und dem Nutzen des Terminals hat sich nun eine neue Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gewidmet. Für ihre Einschätzung haben Fabian Präger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin und seine Kollegen zunächst überprüft, ob das Vorhaben im Rügener Hafen von Mukran mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen vereinbar ist. Anschließend untersuchten die Forschenden, ob die zusätzliche Energiekapazität, die das LNG-Terminal schaffen würde, die Versorgungssicherheit im kommenden Winter erheblich verbessern und Netzengpässen entgegenwirken könnte.
Terminal ist überflüssig und klimaschädlich
Das Ergebnis: „Der Standort Mukran ist energiewirtschaftlich nicht zur Vermeidung einer Gasmangellage im Winter 2023/24 notwendig“, lautet das Fazit von Präger und seinem Team. Zwar sei ohnehin keine solche Mangellage für den kommenden Winter zu erwarten, doch selbst wenn sie einträte, hätten wir nach Ansicht der Forschenden noch ausreichend gefüllte Speicher und im Notfall auch die Möglichkeit, die Nutzung von bestehenden Importkapazitäten anzupassen. Ebenso sei es im Zweifel möglich, bereits vorhandene Gasleitungen einfach „umzupolen“, sodass sie nicht mehr von Ost nach West, sondern von West nach Ost Gas liefern und somit alle Orte ausreichend versorgen. Ostdeutschland und Osteuropa würden in der aktuellen Diskussion daher häufig unberechtigt als Leidtragende eines möglichen Engpasses genannt, betonen die Wissenschaftler.





