Seit einiger Zeit streiten sich Pferdezüchter und Tierschützer über das Für und Wider von Brandzeichen bei Pferden. Die Züchter verteidigen die Kennzeichnung der neugeborenen Tiere, die später eine eindeutige Identifikation ermöglichen soll, um zum Beispiel ausgewählte Zuchtpferde zuverlässig erkennen zu können. Und im Pferdesport sollen Brandzeichen Betrügereien beim Verkauf der teuren Tiere vorbeugen.
Zwar ist in der Europäischen Union inzwischen vorgeschrieben, dass Pferde zur Identifikation mit Chips ausgestattet werden, doch einige Länder – darunter Deutschland und Österreich – akzeptieren immer noch Brandzeichen. Dies erspart Züchtern die teure Ausrüstung zum Auslesen der Chips.
Tierschützer halten dagegen, dass es viele Hinweise darauf gibt, dass das Anbringen von Brandzeichen für die Fohlen sehr schmerzhaft ist und sie stark unter Stress setzt. Unterstützung bekommen die Gegner der Brandzeichnung jetzt von Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien – mit einem gänzlich anderen Ansatz. Das Team um Jörg und Christine Aurich stellte die simple Frage: Wie gut sind die Brandzeichen überhaupt lesbar? „ Das hat sich bislang keiner angeschaut”, wundert sich Jörg Aurich, „obwohl es keine Studie ist, für die man aufwendige Geräte braucht.”
Die Zeichen bestehen in Deutschland und Österreich normalerweise aus einem Symbol für die Pferderasse und einer mehrstelligen Nummer für das einzelne Tier. Um herauszufinden, wie leserlich diese Markierungen sind, baten die Forscher drei Pferdeexperten um Unterstützung. Sie sollten die Brandzeichen von rund 250 Pferden bestimmen, die an einem Turnier in Deutschland teilgenommen hatten.
Ergebnis: Bei 84 Prozent der Tiere notierten die Tester übereinstimmend das richtige Rassesymbol. Bei der Nummer sah das Ergebnis ganz anders aus: Hier lag die Quote der richtig erkannten Ziffernfolge bei nur 40 Prozent. Jörg Aurich schließt daraus: „Die eingebrannten Zeichen sind sogar von erfahrenen Personen nur schwer zu entziffern. Eigentlich gibt es daher keinen Grund, die Tiere weiterhin mit dieser Methode zu kennzeichnen.”
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





