Honigbienen kommunizieren untereinander nicht nur mit ihrem bekannten Schwänzeltanz, sondern auch über chemische Signale. Besonders ausgeprägt ist dies in Situationen, in denen der Bienenstock durch Eindringlinge gefährdet ist: “Die Wächterbienen kommunizieren diese Bedrohung, indem sie das Stich-Alarmpheromon freisetzen”, erklären Morgane Nouvian von der University of Queensland in Brisbane und ihre Kollegen. Dies ruft bei den Soldatenbienen aggressives Verhalten hervor und sorgt so für eine Abwehr des potenziellen Feindes: “Sie fliegen aus, bedrohen den Eindringling und stechen ihn dann auch”, so Nouvian. So weit, so bekannt. Bisher nicht geklärt war jedoch, ob diese Duftsignale und die von ihnen hervorgerufenen Reaktionen durch andere Düfte beeinflusst werden können. In ihrer Studie haben die Forscher dies nun ausprobiert.
Blütenduft hemmt Aggression
Im Experiment fingen die Forscher zunächst gezielt einige Wächter- und Soldatenbienen aus einem Bienenstock ein und setzen sie jeweils zu zweit in eine Versuchsarena. In dieser imitierte ein rotierender, dunkler Dummy mit einer an ihm hängenden Feder eine akute Bedrohung. Währenddessen setzte eine Düse entweder nur das Alarmpheromon frei oder aber gleichzeitig einen von neun verschiedenen Duftstoffen, die häufig in Blüten vorkommen. Die Wissenschaftler beobachteten nun, ob und wie schnell die Bienen den dunklen Dummy angriffen und die Feder stachen. Das überraschende Ergebnis: Zwei der getesteten Duftstoffe, Linalool und 2-Phenylethanol, erwiesen sich als effektive Aggressionskiller. Waren diese in der Arena präsent, verhielten sich die Bienensoldaten trotz des Alarmpheromons und des drohenden dunklen Dummys friedlich. Sie griffen deutlich seltener an als in Kontrollversuchen mit nur dem Alarmpheromon, wie die Forscher berichten. Die gleiche Reaktion riefen diese beiden Duftstoffe auch hervor, wenn sie am Flugloch eines Bienenstocks versprüht wurden.
“Offenbar haben spezifische Blumendüfte die Fähigkeit, die Reaktion auf das Alarmpheromon zu unterdrücken”, konstatieren Nouvian und ihre Kollegen. Wie sie erklären, kann dies nicht daran liegen, dass der Blumenduft das Pheromon einfach geruchlich übertönt und kaschiert. Denn um das auszuschließen, hatten die Wissenschaftler im Experiment hundertmal mehr Alarmpheromon freigesetzt als den entsprechenden Blumenduft. Stattdessen lösen die beiden Blumendüfte offenbar widerstreitende Signale im Gehirn aus, wie weitere Versuche enthüllten. Rochen die Bienen nur die Blumendüfte, ohne das Alarmpheromon, lösten einige Duftstoffe instinktiv bei ihnen das Ausrollen des Rüssels aus – das ist in etwa das Äquivalent zum “Wasser im Mund zusammenlaufen” bei uns Menschen. Am attraktivsten wirkten dabei Linalool und 2-Phenylethanol.





