Sie bilden Oasen in den Wüsten der Monokulturen: Streifen mit naturnaher Vegetation können zahlreichen Pflanzen- und Tierarten ein Zuhause bieten und damit auch den ästhetischen Erholungswert der Agrarlandschaft für den Menschen steigern. In den Streifen wachsen Blühmischungen, die im Rahmen von Agrarumwelt- oder Naturschutzmaßnahmen eingesät werden und in erster Linie die Vielfalt von Pflanzen und bestäubenden Insekten erhöhen sollen. Wie Studien gezeigt haben, können Blühstreifen aber auch in vielschichtiger Weise für weitere günstige Effekte sorgen: Sie verbessern Ökosystemleistungen und tragen damit zur Nachhaltigkeit im Landbau bei. Dies kann sich sogar ökonomisch lohnen: Durch die Förderung von Bestäuberinsekten und Feinden von Schädlingen lassen sich in den von Blühstreifen flankierten Anbauflächen in einigen Fällen die Erträge steigern.
Die Biomasse im Visier
Zu einem weiteren Positiveffekt gab es bisher allerdings keine genaueren Untersuchungen: Blühstreifen produzieren Biomasse, in der Kohlenstoff gebunden ist, der aus der Verarbeitung des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre stammt. Das ober- und unterirdische Pflanzenmaterial wird im Gegensatz zu Erntegut nicht vom Feld entfernt und weiterverarbeitet, sondern durch landwirtschaftliche Maßnahmen meist wieder in den Boden eingearbeitet. Dort wird es dann zum Teil in Humus umgewandelt, in dessen organischen Verbindungen der Kohlenstoff langfristig gebunden bleibt. Ein Forscherteam unter der Leitung des Thünen-Instituts in Braunschweig ist nun der Frage nachgegangen, wie viel Biomasse in Blühstreifen gebildet wird und in welchem Ausmaß sie dadurch zur Bindung von Kohlenstoff in Form von Humus beitragen können.
Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler zunächst die Artenzusammensetzung und die ober- und unterirdische Biomassenbildung von 23 Test-Blühstreifen an verschiedenen Standorten in Deutschland untersucht. „Dabei haben wir unter anderem aus Hunderten von Bodenproben mühsam die Wurzeln herauswaschen“, berichtet Seniorautor Christopher Poeplau vom Thünen-Institut. So konnte das Team nun erstmals den Biomasseaufwuchs von Blühstreifen auf der Basis valider Daten einschätzen.
Sie kamen zu dem Ergebnis, dass diese Pflanzenbestände durchschnittlich eine Biomasse von knapp acht Tonnen pro Hektar im Jahr hervorbringen. An manchen Standorten können es sogar 19 Tonnen sein. Interessant war dabei der Zusammenhang zwischen pflanzlicher Biodiversität und Gesamtbiomasse: Je mehr Gräser sich in die Blühstreifen mischten, desto höher war die Gesamtbiomasse und somit die Humuswirkung. Allerdings ist dabei zu betonen, dass bei einer starken Ausbreitung von Gräsern die Biodiversität in den Mischungen und der „Blühfaktor“ abnehmen. „Innerhalb eines Blühstreifens ist es deshalb wohl nicht möglich, sowohl die biologische Vielfalt der Pflanzen als auch die Kohlenstoffbindung zu maximieren“, schreiben die Forscher.





