Tropische Gewächshäuser sind meist das Prunkstück botanischer Gärten. Um den Ausflug in eine andere Klimazone für Besucher so authentisch wie möglich zu gestalten, werden Erde und Pflanzenmaterial aus einer Vielzahl tropischer und subtropischer Länder importiert. Doch kommen sie wirklich allein nach Deutschland oder bringen sie blinde Passagiere in Form tropischer Kleinlebewesen mit?
„Jeden Stein einzeln umgedreht“
Um das herauszufinden, haben die beiden Nachwuchswissenschaftler Elias Freyhof und Emil Jantke nun 24 beheizte Gewächshäuser in Berlin und Brandenburg auf nicht-heimische Arten hin untersucht. Die Idee dazu kam Freyhof während seines Freiwilligen Ökologischen Jahres am Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut im brandenburgischen Müncheberg.
„Wir haben jedes der Gewächshäuser manuell nach wirbellosen Tieren abgesucht. Lose Gegenstände, wie Holz und Steine, wurden umgedreht und der Boden darunter geprüft. Auch das untere Blattwerk haben wir unter die Lupe genommen. Ein besonderes Augenmerk haben wir dabei auf Ameisen gelegt, die weltweit zu den erfolgreichsten und schädlichsten Invasoren zählen. Diese lockten wir zusätzlich mit einem Köder aus Zuckerwasser oder einer Mischung aus Fischöl, Rum und Honig an“, berichtet Freyhof. Um die verschiedenen Arten korrekt zu identifizieren, griff das Team auf Künstliche Intelligenz, Fachliteratur und Experten zurück.
Gewächshäuser als tropischer Unterschlupf
Das Ergebnis: Insgesamt fanden die jungen Forscher in den Gewächshäusern 32 nicht-heimische Arten, darunter 14 Insekten, sieben Spinnentiere, sechs Schnecken, zwei Tausendfüßer, eine Assel, einen Flohkrebs, einen Schnurwurm und eine zu den Strudelwürmern zählende Landplanarie. „Darunter waren einige bemerkenswerte Arten, wie ein Zwerggeißelskorpion, eine Gewächshausschrecke und eine Termitenart mit ‚Soldaten‘, die mit ihren Köpfen die Nesteingänge versperren können. Außerdem haben wir eine invasive fleischfressende Schnurwurmart und Ameisen, die weder Arbeiterinnen, Königinnen noch Männchen sind, gefunden“, berichtet Freyhof.
Zwei der nachgewiesenen Arten sind dabei zuvor noch nie in Berlin und Brandenburg gesichtet worden: die gelbfarbige afrikanische Ameisenart Plagiolepis alluaudi und die südostasiatische Ameise Technomyrmex vitiensis. Auch drei erstmalige Nachweise auf deutschem Boden waren dabei. Zu ihnen gehört die zwischen 3,5 und vier Millimeter lange, ursprünglich aus Madagaskar stammende Ameisenart Technomyrmex difficilis, die „Diebesameise“ Solenopsis texana und eine unbestimmte Art der Landplanarien. Darüber hinaus entdeckten Freyhof und Jantke zum ersten Mal in Europa eine Schmetterlingsmücke der Art Alepia cf. viatrix, die Termite Cryptotermes cavifrons und die Schnurwurmart Geonemertes pelaensis.






