Die Fähigkeit zum Schmecken von Bitterstoffen hat sich in der Entwicklungsgeschichte des Menschen bereits vor mindestens 80.000 Jahren entwickelt. Damit konnten die frühen Menschen die häufig bitteren giftigen Pflanzen leichter von essbaren unterscheiden. Das haben Wissenschaftler aus den USA, England und Deutschland bei einer Genanalyse gezeigt. Die Forscher hatten in der Weltbevölkerung die Verbreitung von Genen untersucht, die für die Ausbildung eines Geschmackssensors für Bitterstoffe zuständig sind.
Die Wissenschaftler werteten für ihre Untersuchung das Genmaterial von knapp tausend Probanden aus sechzig verschiedenen Volksgruppen aus. Dabei konnten sie ein spezielles Gen ausfindig machen, das für das Schmecken von unter anderem cyanidhaltigen Substanzen eine Schlüsselrolle spielt. Diese Stoffe kommen beispielsweise in manchen Früchten oder Blättern vor, sind jedoch meistens giftig. Die Fähigkeit, zuverlässig Bitterstoffe zu erkennen, war deshalb für den frühen Menschen ein evolutionärer Vorteil.
Die weitere Analyse ergab, dass sich diese besondere Genvariante bereits früh in der Menschheitsgeschichte ausbildete. Demnach besaßen die Vorfahren des modernen Menschen die Mutation schon vor 80.000 bis 800.000 Jahren. Bevor nach der gängigen Theorie die ersten Auswanderer von Afrika aus die Welt besiedelten, konnte der Mensch also wohl bereits zuverlässig Bitterstoffe erkennen ? auf jeden Fall aber lange bevor er mit Ackerbau und Viehzucht begann, erklären die Forscher.
Während ein ausgeprägter Geschmackssinn für Bitteres früher lebenswichtig sein konnte, sei dieser heute eher hinderlich, schreiben die Wissenschaftler: Manche bittere Pflanzen sind keineswegs giftig, sondern enthalten Substanzen, die gegen Krebs vorbeugen und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Viele Menschen meiden diese Nahrungsmittel jedoch wegen ihres bitteren Geschmacks.
Nicole Soranzo (University College, London) et al.: Current Biology (Bd. 15, S. 1257)
ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





