Zerfetzte Plastiktüten und viele weitere bunte Müllobjekte – Schätzungen zufolge landet ein Drittel allen Plastikmülls in der Umwelt. Die hässlichen Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft sind dabei vielerorts deutlich sichtbar. Doch ein großer Anteilist oft nur noch mit Lupe oder Mikroskop erkennbar: Viele Müllteile zerfallen mit der Zeit in Partikel kleiner als fünf Millimeter und dann teilweise weiter in Nanopartikel mit einer Größe von weniger als 0,1 Mikrometer. In der Umwelt wimmelt es bereits von diesen Krümeln und sie werden sogar durch die Luft befördert. Bis in die entlegensten Winkel unseres Planeten lässt sich diese Signatur der Zivilisation dadurch bereits nachweisen, zeigen Studien.
Können Baumwurzeln die Partikel binden?
Oft steht die Mikroplastik-Belastung von Gewässern im Fokus, doch in Böden ist sie teilweise noch stärker ausgeprägt. Ein wichtiger Faktor der Verbreitung auf landwirtschaftlich genutzten Böden ist dabei das Ausbringen von Klärschlamm. Dadurch gelangen vor allem Bruchstücke von synthetischen Kleidungsfasern in die Erde. Einen weiteren großen Beitrag leistet auch der Autoverkehr durch den Reifenabrieb. Woher es auch immer stammt – das künstliche Kleinzeug gilt als problematisch: Mikroplastik kann Schadstoffe freisetzen, die möglicherweise durch Nutzpflanzen aufgenommen werden. Außerdem wurden negative Effekte des Mikroplastiks auf nützliche Bodenbewohner aufgezeigt und offenbar können die Partikel auch bestimmten Krankheitserregern gute Entwicklungsmöglichkeiten bieten, geht aus Untersuchungen hervor.
Wenn es im Boden einmal von den Partikeln wimmelt, gibt es keine Chance mehr, sie wieder heraus zu holen, könnte man meinen. Doch vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit zur Sanierung, wie die aktuellen Studienergebnisse der Forscher um Kat Austen vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hoffen lassen. Das Stichwort heißt dabei Phytoremediation – Schadstoffextraktion durch Pflanzen. Dieses Verfahren wird zur Beseitigung von Giftstoffen in Böden eingesetzt. Dazu werden bestimmte Pflanzenarten angepflanzt, die diese Substanzen mit ihren Wurzeln besonders gut aufnehmen. Anschließend lässt sich die Biomasse dann samt der Problemstoffe entsorgen.
Hoffnungsträger Birke
Dass Pflanzen auch Mikroplastik binden könnten, ließen bisher bereits Hinweise aus Untersuchungen an Weizen und Salat vermuten. In ihrer Studie haben sich Austen und ihre Kollegen nun allerdings einer in der Phytoremediation bereits erfolgreich eingesetzten Gehölzpflanze zugewandt: der in Europa weitverbreiteten Hänge-Birke (Betula pendula). Um deren Fähigkeit zur Aufnahme von Mikroplastik auszuloten, haben sie Versuchspflanzen in Substrat gepflanzt, das mit Mikroplastikkügelchen (5 bis 50 Mikrometer) versetzt war. Diese Partikel waren mit fluoreszierendem Farbstoff markiert, um sie später leicht im Pflanzengewebe nachweisen zu können. Nach fünf Monaten untersuchten die Wissenschaftler dann Wurzelproben mithilfe von Fluoreszenz- und konfokaler Laser-Scanning-Mikroskopie.





