Aus Erdöl hergestelltes Plastik ist bekanntlich schlecht für die Umwelt – vor allem fürs Weltklima: Das in ihm gebundene Kohlendioxid wird beim Abbau frei und trägt so zur globalen Erwärmung bei. Auf diese Weise gelangen weltweit jährlich rund 400 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre – Tendenz steigend: Im Jahr 2050 könnten Kunststoffe Schätzungen zufolge bereits für 15 Prozent der weltweiten CO2-Produktion verantwortlich sein.
Bioplastik ist dagegen theoretisch klimaneutral, denn es wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Weizen oder Zuckerrohr hergestellt. Für ihr Wachstum benötigen diese Kulturpflanzen Kohlendioxid, das sie der Luft entnehmen. Deshalb beseitigt die Herstellung von Biokunststoffen zunächst CO2 aus der Atmosphäre – genauso viel, wie später bei ihrer Verbrennung oder Verrottung wieder frei wird. Die Klimagas-Bilanz bleibt somit ausgeglichen. Bioplastik gilt daher als umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Plastik. Doch wie rein ist die Weste des Bioplastiks denn wirklich? Dieser Frage sind die Forscher um Neus Escobar der Universität Bonn nachgegangen.
Problem: Veränderte Landnutzung
Die Wissenschaftler haben dazu die Auswirkungen einer vermehrten Verwendung von Bioplastik simuliert. Dazu führten sie Computersimulationen durch, die auf vielen Daten basieren und die die gesamte Weltwirtschaft abbildet. Sie haben im Rahmen ihrer Studie auch ein konkretes Szenario durchgespielt: „Wir haben für unser Modell die Annahme getroffen, dass der Bioplastik-Anteil bei den wichtigsten Produzenten – Europa, China, Brasilien und den USA – auf fünf Prozent steigt“, erklärt Escobar.
Wie die Forscher berichten, zeichnete sich in ihren Ergebnissen deutlich das Hauptproblem der Biokunststoffe ab: „Die Erzeugung großer Mengen Bioplastik verändert die Landnutzung“, so Escobar. „Global gesehen könnten dadurch zum Beispiel vermehrt Waldflächen zu Ackerland umgewandelt werden. Wälder binden aber erheblich mehr Kohlendioxid als etwa Mais oder Zuckerrohr, schon allein aufgrund ihrer größeren Biomasse.“ Somit scheint sich beim Bioplastik ein ähnlich kritischer Effekt abzuzeichnen, der schon beim Biokraftstoff zum Tragen kam: Die steigende Nachfrage nach dem vermeintlichen ökologischen Energieträger hatte in manchen Ländern massive Waldrodungen zur Folge.
Konkret zeigte auch das Versuchsszenario der Forscher: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche nahm durch den Anbau der Pflanzen für die Bioplastikproduktion deutlich zu, während die Waldfläche um 0,17 Prozent schwand. Durch die Abholzung gelangten enorme Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre. „Dabei handelt es sich zwar nur um einen einmaligen Effekt“, erklärt Escobar. „Dennoch dauert es nach unseren Berechnungen mehr als 20 Jahre, bis er durch die erzielten Einsparungen wettgemacht wird.“ Damit sich die Umstellung auf Bioplastik aus ökologischer Sicht lohnt, ist somit ein langer Atem nötig.





