Das Gehirn ist für die Gesichtserkennung gut ausgerüstet: Es besitzt eine auf Gesichter spezialisierte Region, die ein Gesicht im Ganzen erkennt und es nicht aus den wahrgenommenen Einzelteilen zusammensetzt. Das haben zwei amerikanische Wissenschaftlerinnen entdeckt, als sie mit 14 Probanden mehrere Tests durchführten und währenddessen die Gehirnaktivität der Teilnehmer bestimmten. Galit Yovel und Nancy Kanwisher vom Massachusetts Institut für Technologie (MIT) in Cambridge stellen ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Neuron (Bd. 44, S. 889) vor.
In einer Gehirnregion hinter dem Ohr gibt es einen Bereich namens “fusiforme face area” (FFA), der beim Anblick eines Gesichts sehr stark reagiert. Ist diese Region geschädigt, haben die Betroffenen große Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen. Wissenschaftler fragen sich schon seit längerer Zeit, wie diese ausgeprägte Gesichtserkennung funktioniert. So war bislang beispielsweise unklar, ob die FFA nur für Gesichter oder auch für die Verarbeitung anderer räumlicher Zusammenhänge zuständig ist und ob sie ein Gesicht anhand der Anordnung der einzelnen Teile wie Augen, Nase und Mund erkennt oder das Gesicht als Ganzes wahrnimmt.
Um diese Fragen zu klären, manipulierten Yovel und Kanwisher Bilder von Gesichtern und Bilder von Häusern, indem sie den Abstand von Mund und Augen beziehungsweise von Fenstern und Türen veränderten. Anschließend führten sie zwei verschiedene Arten von Tests mit ihren Probanden durch. Bei der ersten Aufgabe zeigten sie den Teilnehmern die veränderten Bilder und beobachteten mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie gleichzeitig die Aktivität in der FFA. Im zweiten Test sollten die Probanden angeben, ob zwei hintereinander gezeigte Gesichter oder Häuser identisch waren oder nicht, wobei einige der Bilder auf dem Kopf standen.
Die FFA wurde durch die Bilder der Gesichter stark aktiviert, reagierte jedoch auf die Häuser praktisch nicht, zeigte die Auswertung. Im zweiten Test hatten die Probanden Schwierigkeiten, auf dem Kopf stehende Gesichter zu erkennen, während sie die Häuser problemlos zuordnen konnten. Beide Effekte waren unabhängig davon, ob die Bilder verändert waren oder nicht. Die FFA dient demnach offenbar als eine Art Gesichtsdetektor, schließen die Forscherinnen aus ihren Ergebnissen. Sie reagiert ganz speziell auf Gesichter, verarbeitet dabei jedoch nicht Informationen über Anordnung oder Form der einzelnen Bestandteile, sondern nimmt gleich das Gesicht als solches wahr. Diese Art der Verarbeitung wird nicht auf andere Objekte übertragen, auch wenn diese ähnlich dargestellt sind wie Gesichter.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





