Zwischen zwei für Schizophrenie ausschlaggebenden Fehlfunktionen des Gehirns besteht eine direkte Verbindung. Dies fanden amerikanische Wissenschaftler vom National Institute of Mental Health mittels Computertomografie heraus. Ihre Ergebnisse veröffentlichten Andreas Meyer-Lindenberg und Karen Berman online im Magazin ?Nature Neuroscience? am 28 Januar 2002.
Demzufolge geht ein schlecht funktionierendes Arbeitsgedächtnis bei Schizophrenen mit erhöhtem Dopaminspiegel im Corpus Striatum einher. Das überschießende Dopamin scheint auf einen Defekt im Stirnhirn ? dem Kontrollzentrum des Gehirns ? rückführbar zu sein.
Schizophrenie ist durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen gekennzeichnet. Obwohl ihre genauen Ursachen nach wie vor ungeklärt sind, gehen Wissenschaftler davon aus, dass ein Zuviel des Botenstoffs Dopamin daran beteiligt ist. Dopamin entsteht in bestimmten Bereichen des Corpus striatum. Die auch Streifenhügel genannte Struktur im Hirninneren ist eine komplexe Schaltstation.
Die Forscher untersuchten sechs Schizophreniepatienten und sechs Kontrollpersonen mit Hilfe von Positronenemissionstomographie (PET). Bei dieser Computertomographie werden radioaktive Marker in das Gehirn eingeschleust. Über einen Scanner gibt deren Strahlung zu erkennen, welche Bereiche des Gehirns gerade aktiv sind. Im Versuch zeigte außerdem eine radioaktiv markierte Dopamin-Vorstufe die Aktivität des Dopamins an.
Die Versuchspersonen sollten abstrakte Aufgaben lösen. Dies bedeutet Arbeit für das Kurzzeit- beziehungsweise Arbeitsgedächtnis und damit ein aktives Stirnhirn.
Die Schizophrenen lösten die Aufgaben nur schlecht. Ihr Stirnhirn war kaum aktiv. Gleichzeitig wurden im Streifenhügel große Mengen Dopamin aus der Vorstufe gebildet. Bei der Kontrollgruppe fand diese inverse Korrelation nicht statt. Das Ergebnis lässt auf eine enge Kopplung der beiden Vorgänge in den Gehirnen der Schizophrenen schließen.
Versuche an Ratten ergaben, dass Neurone, die vom Stirnhirn auf den Streifenhügel projezieren, einen hemmenden Effekt haben. Geringe Aktivität des Stirnhirns vermindert diese Hemmung. Dadurch produziert das Striatum verstärkt Dopamin.
Nach Berman gewähren die Ergebnisse einen lang ersehnten Einblick in die Unregelmäßigkeiten von Dopamin bei Schizophrenie. Die Behandlung der Krankheit könne in Zukunft nicht mehr nur auf den Dopaminüberschuss, sondern auch auf die Funktionsstörung im Stirnhirn abzielen.
Anna Voormann





