Klar ist: Zimmerpflanzen geben tristen Bürowüsten und kargen Fensterbrettern grüne Akzente und sorgen für ein bisschen Natur in der Wohnkultur. Studien belegen, dass der Anblick von Pflanzen das Wohlbefinden von Menschen steigern kann. Als ein weiteres Argument für die Raumbegrünung wird allerdings auch immer wieder angeführt, dass die Gewächse die Raumluft verbessern können. Theoretisch lässt sich auch dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse verweisen: Studien haben gezeigt, dass Pflanzen potenziell schädliche organische Verbindungen wie Kohlenwasserstoffe, Alkohole oder organische Säuren aus der Luft beseitigen können.
Ein Zimmer-Urwald wäre nötig
Doch wie Cummings und Waring berichten, geht aus ihren Auswertungen der entsprechenden Studien hervor: Die Filterfunktion von Zimmerpflanzen erreicht in Wohnräumen kein relevantes Niveau. Der natürliche Luftwechsel übertrifft demnach die Effekte der Pflanzen bei weitem. “Es handelt sich letztlich um ein Missverständnis: Pflanzen sind großartig und können tatsächlich Luft filtern, aber sie reinigen sie nicht schnell genug, um die Luftqualität von Wohnräumen oder Büros relevant zu verändern”, resümiert Waring. Nach Berechnungen der Forscher müsste man Räume mit Pflanzen geradezu vollstopfen, um mit dem Verdünnungseffekt durch den ständigen Luftwechsel in Gebäuden oder durch Lüften zu konkurrieren.
Wie die Forscher erklären, fanden die Studien, die Pflanzen eine Filterwirkung gegenüber flüchtigen organischen Verbindungen attestiert haben, hingegen in geschlossenen Systemen statt. So hat etwa die NASA festgestellt, dass Pflanzen dabei helfen könnten, Schadstoffe aus der Luft der ISS zu entfernen. Doch auf der Raumstation findet kein Austausch mit der Außenluft statt wie in einem Wohnraum und man kann dort auch kein Fenster öffnen. Sobald diese Faktoren eine Rolle spielen, ist der Effekt von Pflanzen in Räumen nicht mehr ausschlaggebend, betonen die Forscher. “Es handelt sich um ein Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse im Laufe der Zeit falsch interpretiert werden”, resümiert Waring.
Quelle: Drexel University, Fachartikel: Journal of Exposure Science and Environmental Epidemiology, doi: 10.1038/s41370-019-0175-9





