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Beeindruckende und bedrohte Lebensadern
Erde & Umwelt

Beeindruckende und bedrohte Lebensadern

Auf ihrem Weg von der Quelle bis zur Mündung erschaffen sie auf den Kontinenten unserer Welt ein riesiges Netz. Flüsse formen Landschaften, bieten Lebensraum, sind Wasserquellen und Transportwege zugleich. Nach seiner Erkundung von Bergen, alten Wegen und der Welt untertage führt Robert Macfarlane, der Meister des Nature Writing, nun ans Wasser.
Autor
Constanze Matthes
30. November 2025
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Alles beginnt vor der „Haustür“ des Briten mit den Quellen, die in seiner Heimat ein Kreidebachnetz speisen. Wenige Seiten später steht der Leser in einem Hochlager im Nebelwald des Los Cedros in Ecuador. Erste Station einer nahezu weltumspannenden Reise zu Flüssen, die auf unterschiedliche Weise bedroht sind und stellvertretend für die Umweltzerstörung durch den Menschen stehen. Im Fall des Rio Los Cedros ist es der Bergbau. Das Leben in den Flüssen Adyar und Cooum nahe der indischen Wasserstadt Chennai stirbt durch giftige Abwässer. Der Bau von Staudämmen hat hingegen dramatische Folgen auf den Magpie River in der kanadischen Provinz Ontario.

Alle drei Regionen, und seien sie noch so weit entfernt und abgelegen, hat Macfarlane bereist. An seiner Seite stets Menschen, die sich für den Schutz der Flüsse einsetzen. Wie die Pilzexpertin Giuliana, der Einsiedler DeCoux, der Naturkundler und Wasseraktivist Yuvan, der Geograf Wayne sowie Vertreter eines indigenen Volkes. Der Autor schildert die Bemühungen der Umweltbewegung für die Rechte der Natur und plädiert dafür, Flüsse nicht nur als reine Ressourcen anzusehen, sondern als eigenständige Wesen und juristische Personen. Kann dieser wertvolle Lebensraum per Gesetz und dank eines speziellen Naturvertrags geschützt werden? Wie ein roter Faden zieht sich diese Frage durch das Werk.

Robert Macfarlane ist sowohl Erklärer als auch Berichterstatter. Er beweist nicht nur gute Sinne, sondern auch eine völlige Hingabe an alles Lebendige – ob Mensch, Tier oder Pflanze. Sein Buch ist mal Essay, mal Reportage, vereint ergreifende Lebensgeschichten und eindrückliche Landschaftsbeschreibungen und verbindet Wissen mit persönlichen Erfahrungen und Emotionen. Wie er das Sichtbare, seine Gedanken und Gefühle in Worte fasst, ist beispiellos – exakt, bildhaft und poetisch zugleich. „Sind Flüsse Lebewesen?“ ist ein beeindruckendes Buch, das mitreißt, berührt und vieles lehrt. Es ist ein intensives Plädoyer für die Natur und ein meisterhaftes und unvergessliches Buch für Generationen. Constanze Matthes

Robert Macfarlane:
Sind Flüsse Lebewesen?
Ullstein Verlag. 416 S., 29,99 €

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