Stieleichen wachsen vor allem in Auwäldern – periodisch überfluteten Wäldern an Fluss- und Bachrändern. Durch Regulierung der Flüsse und veränderte Waldnutzung überfluten diese Auwälder aber immer seltener. Dadurch können dort nun auch überschwemmungsempfindliche Bäume wie Spitzahorn, Bergahorn und schwarzer Holunder wachsen, die den jungen Eichen das Licht wegnehmen. Dürren und Schädlinge führen wiederum dazu, dass Spitzahorn und Co absterben. Ob das im Umkehrschluss wieder jungen Stieleichen hilft, haben Forschende um Annalena Lenk von der Universität Leipzig untersucht.
Von „vital“ über „normal“ und „mickrig“ bis „tot“
Dazu legte das Team Anfang 2022 insgesamt 24 Forschungsflächen im Leipziger Auwald an, auf denen sie insgesamt 1200 einjährige Stieleichen anpflanzten. Acht der Flächen hatten eine hohe Baumsterblichkeit, acht einen gesunden Baumbestand und weitere acht waren Femelschläge – künstlich freigeschlagene Lichtungen. Die 24 Flächen teilten die Forschenden in je vier Teile, von denen sie auf zwei Unterwuchs von Spitzahorn, Bergahorn und schwarzem Holunder entfernten. Zusätzlich pflanzten sie 80 genetisch identische fünfjährige Stieleichen, um die Auswirkungen der Umweltbedingungen unabhängig vom genetischen Einfluss zu messen.
Anschließend bewertete das Forschungsteam die Vitalität der gepflanzten Stieleichen zwei Jahre lang Ende Mai, Juli und August als „vital“, „normal“, „mickrig“ oder „tot“ und verglich so deren Wachstumserfolge je nach Umgebung. Dazu untersuchten sie Anzahl, Größe und Farbe der Blätter, Trockenschäden, abgestorbene Triebe, Insektenfraß und Mehltaubefall an den Eichen. Im Jahr 2022 abgestorbene Eichen ersetzten sie 2023.

Hohe Baumsterblichkeit und zusätzliche Ausdünnung
Der Vergleich zwischen August 2022 und August 2023 zeigte: Auf den Flächen mit ausschließlich hoher Baumsterblichkeit gab es keinerlei vitale, knapp 40 Prozent normal gewachsene sowie etwa 27 Prozent abgestorbene Stieleichen. Im Vergleich dazu wuchsen auf zusätzlich ausgedünnten Flächen etwa zwei Prozent vitale und knapp 63 Prozent normal gewachsene Eichen. Knapp 20 Prozent von ihnen waren abgestorben. „Waldflächen mit hoher Baumsterblichkeit im Oberstand können gut für die Förderung von Stieleichenverjüngung genutzt werden – allerdings nur, wenn der Ahorn im Unterstand entfernt wird“, schließt Co-Autor Christian Wirth von der Universität Leipzig daraus. „Der Ahorn ist flächendeckend vorhanden. Weil sein Wachstum schneller anspringt, überwächst und beschattet er die Eichen.“ Verjüngung meint das Nachwachsen junger Bäume, die langfristig die alten ersetzen und den Fortbestand der Art sichern sollen.





