Manche Bakterien finden Antibiotika so lecker, dass sie sich sogar ausschließlich davon ernähren können. Das haben amerikanische Forscher bei der Untersuchung von Bodenproben herausgefunden. Eigentlich sollen Medikamente wie Penicillin schädliche Keime abtöten, doch in den Proben stießen die Wissenschaftler um Gautam Dantas von der Harvard Medical School in Boston auf Dutzende Bakterien mit einem besonderen Stoffwechselmechanismus. Dieser ermöglicht ihnen, Antibiotikamoleküle in kleinere kohlenstoffhaltige Moleküle zu zerlegen und für das eigene Wachstum zu verwenden. Viele der Bakterien waren sogar gegen die meisten der modernen Antibiotika gleichzeitig resistent. Die Bodenbakterien selbst spielen als Krankheitskeime für den Menschen keine Rolle. Sie sind manchen Krankheitskeimen jedoch recht ähnlich und könnten auf diese den Abwehrmechanismus gegen Antibiotika übertragen, vermuten die Forscher.
Die Wissenschaftler um Dantas entnahmen von drei städtischen, drei landwirtschaftlich genutzten und fünf unberührten Böden Proben und gaben im Labor Antibiotikalösungen dazu. Bei elf Bodenproben und 18 verschiedenen Antibiotika ergaben sich knapp 200 Versuche. In den meisten Fällen wurde das Wachstum von Bakterien angeregt. Dann isolierten und bestimmten die Mediziner die Bakterienstämme, untersuchten deren Verwandtschaftsverhältnisse und fütterten sie gezielt mit den Antibiotika.
Bei einer Dosierung von 20 Milligramm Antibiotikum pro Liter Lösung konnten die meisten der 75 getesteten Bakterien gut mit und von dem Medikament leben. Nur in wenigen Fällen tötete ein Antibiotikum die Bakterien ab. Viele Mikroben hatten sogar Resistenzen gegen alle 18 Antibiotika. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass für den Menschen gefährliche Bakterien einmal Antibiotika für ihren Stoffwechsel verwerten könnten, erklären die Forscher. Dazu gebe es zu viele Nahrungsalternativen im Körper. Anderes gelte für den Resistenzmechanismus: Es sei durchaus denkbar, dass Krankheitskeime sich von Bodenbakterien abschauen, wie Antibiotika aufgeknackt werden können. Das Pencillin würden sie dann zwar nicht weiterverwerten, es wäre aber zerstört.
Antibiotika sind die wichtigste Waffe im Kampf gegen Bakterienerkrankungen. In jüngster Zeit entwickeln viele Bakterien wie etwa Streptokokken Resistenzen gegen eines oder gar mehrere dieser Medikamente. Forscher suchen daher zu verstehen, welche Strategien diese Keime entwickeln, um Antibiotika wie Penicillin, Vancomycin oder Carbenicillin auszustechen.
Gautam Dantas (Harvard Medical School, Boston) et al.: Science, Band 320, S. 100 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





