“Der rapide Verlust der Biodiversität spricht dafür, dass ein sechstes Massenaussterben im Gange ist”, sagen William Ripple von der Oregon State University in Corvallis und seine Kollegen. Dies zeigt sich nur allzu deutlich an der großen Zahl der bedrohten Spezies: In der ganzen Welt brechen Populationen zusammen und Verbreitungsgebiete schrumpfen. “Die Aussterberaten liegen heute 100 bis 1000-fach über der normalen Hintergrundrate”, so Ripple. Von den fast 88.000 Spezies in der aktuellen Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) erfassten Arten werden mehr als 25.000 als gefährdet eingestuft. Viele weitere akut bedrohte Arten könnten sogar aussterben, bevor sie überhaupt von Biologen entdeckt und beschrieben werden konnten. Um diese Arten zu schützen, ist es jedoch wichtig, die Muster und Ursachen zu kennen, die diesem Massenaussterben zugrunde liegen. Welche Rolle dafür beispielsweise die Größe einer Tierart spielt, dazu gab es bisher stark widersprüchliche Annahmen.
U-Kurve der Bedrohung
Deshalb haben Ripple und seine Kollegen in der bisher umfangreichsten Studie dazu untersucht, welche Rolle das Körpergewicht – und damit indirekt auch die Körpergröße – der Wirbeltiere für ihr jeweiliges Aussterberisiko spielt. Dafür verglichen sie die Körpermasse von 27.647 Vertebraten-Arten, darunter Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Knochen- sowie Knorpelfischen mit deren Status in der Roten Liste der bedrohten Arten. “Wir haben ermittelt, ob die Wahrscheinlichkeit, bedroht zu sein, positiv mit dem Körpergewicht verknüpft ist – und das sowohl innerhalb jeder Tierklasse als auch insgesamt für alle Wirbeltiere”, erklären die Wissenschaftler.
Und tatsächlich: Die Forscher stießen auf einen klaren Zusammenhang. Betrachtet man alle Wirbeltiere zusammen, dann ergibt sich eine U-förmige Verteilung für das Aussterberisiko der verschiedenen Gewichtsklassen. Vertebraten von etwa 35 Gramm Gewicht haben das niedrigste Risiko, darunter und darüber aber steigt die Gefährdung rapide an. Vor allem die großen Vertreter der Säugetiere, Vögel, Fische und Reptilien sind erheblich häufiger und stärker bedroht als die kleineren. “Eine Zunahme der Körpermasse um eine Größenordnung ist verknüpft mit einer Zunahme des Aussterberisikos bei Knochenfischen um 294 Prozent, bei großen Reptilien und Amphibien um 184 Prozent, bei Vögeln um 107 Prozent und bei Knorpelfischen um 92 Prozent”, berichten Rippel und seine Kollegen. Bei Säugetieren stieg das Aussterberisiko immerhin noch um 67 Prozent für jede Verzehnfachung des Gewichts. Unter den Winzlingen kehrte sich dieses Verhältnis um: Jede Reduktion des Körpergewichts um eine Größenordnung erhöhte das Aussterberisiko der kleinen Wirbeltiere um 177 Prozent.





