Gentherapie schützt Mäuse vor einer HIV-Infektion
Einem Forscherteam ist es gelungen, bei Mäusen die Produktion von hochwirksamen Antikörpern gegen den Aids-Erreger zu stimulieren. Mittels sogenannter Gen-Fähren hatten die Wissenschaftler Erbinformationen für den Bau von Antikörper in Muskelzellen von Mäusen eingeschleust. Dadurch waren die Versuchstiere in der Lage, im Vergleich mit unbehandelten Mäusen, der 125-fachen Menge an HI-Viren zu widerstehen, ohne sich zu infizieren. Vermutlich reicht eine einzige Injektion mit den Gen-Fähren für die lebenslange Produktion hoher Konzentrationen der Immunstoffe, sagen die Forscher. Die Antikörper und deren genetischer Bauplan waren aus früheren Studien bereits bekannt. Einige wenige Menschen besitzen natürlicherweise diese sogenannten Immunglobuline, die in der Lage sind, den HI-Virus zu neutralisieren. 20 dieser HIV-Antikörper wurden von Wissenschaftlern bisher identifiziert und bildeten die Grundlage der aktuellen Studie. Die Untersuchungen befinden sich im Stadium der Grundlagenforschung, betonen die Forscher, denn Versuche an Menschen gibt es bisher noch nicht. Sie hoffen aber, dass sich über das Einschleusen von Antikörper-Bauplänen, eines Tages vorbeugende Therapie gegen das Aids-Virus entwickeln lassen. (Alejandro Balaz, California Institute of Technology et al.: Nature, doi: 10.1038/nature10660)
Würmer im Dienste der Raumfahrt
Bei der Muppet Show waren es die ?Schweine im Weltall? ? nun heißt es ?Würmer im Weltall?: Wissenschaftler haben winzige Faden-Würmer zur internationale Raumstation ISS gesendet. Sie sollen dort als simple Stellvertreter für den Menschen dienen: Untersuchungen an den winzigen Tierchen sollen Hinweise liefern, wie gut ein Organismus die ?spacigen? Lebensbedingungen auf lange Zeit aushält. Fernziel ist es dabei, Informationen zu sammeln, die für Projekte zur Kolonisation fremder Planeten wie dem Mars wichtig sein könnten. Denn für die weite Reise dorthin müssen Raumfahrer große Zeitspannen unbeschadet überstehen können. Seit Monaten beobachten die Astronauten an Bord der ISS nun, wie sich die Würmchen in der Schwerelosigkeit entwickeln. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor. Demnach funktioniert die Fortpflanzung offenbar schon mal bestens: Auf der ISS lebt inzwischen die zwölfte Generation der ?Würmer im Weltall?, berichten die Wissenschaftler. Als nächstes sollen nun die Auswirkungen der erhöhten Strahlung im Weltraum an den Tieren getestet werden und wie sich ihre Muskeln in der Schwerelosigkeit entwickeln. (Elizabeth A. Oczypok, University of Pitsburgh et al.: J. R. Soc. Interface, doi: 10.1098/r sif.2011.0716)
Tauende Permafrost-Böden könnten Klimawandel stärker beschleunigen als gedacht
Internationale Klimaexperten haben sich erneut mit dem Auftauen der Permafrost-Böden beschäftigt und kommen zu beunruhigenden Ergebnissen. Die neuen Modelle legen nahe, dass die schmelzenden Böden beispielsweise in Sibirien oder Grönland bis zum Ende des Jahrhunderts ebenso viel Kohlenstoff freisetzen könnten wie durch die weltweite Abholzung von Wäldern in die Atmosphäre gelangt. Die Auswirkungen auf das Klima wären besonders drastisch, weil ein Teil der freigesetzten Treibhausgase Methan wäre, sagen die Forscher. Es beschleunigt die Erderwärmung wesentlich stärker als beispielsweise Kohlendioxid. Den Wissenschaftlern zufolge enthalten die Permafrostböden insgesamt etwa 1.700 Milliarden Tonnen gebundenen Kohlenstoff aus Überresten von Pflanzen und Tieren. Das sei rund vier Mal so viel wie der Mensch jemals produziert hat und zwei Mal so viel wie momentan in unserer Atmosphäre vorhanden ist. (Edward Schuur und Benjamin Abbott: Nature, doi:10.1038/480032a)
Eine Art ?Hautflora? schützt Ameisen bei der Pilzzucht
Tropische Blattschneiderameisen legen in ihren Nestern ausgedehnte Pilzgärten an, von deren Erträgen sie sich ernähren. Die Insekten zerschneiden dazu Blätter mit ihren Mundwerkzeugen und formen daraus Kügelchen, die einer speziellen Pilzart als Nährboden dienen. Die Ameisen halten die Pilzgärten akribisch sauber und bewahren den Pilz davor, von anderen Pilzarten verdrängt oder infiziert zu werden. Bakterien auf der Körperoberfläche der Ameisen wirken dabei gegen die schädlichen Pilze. Forscher konnten nun allerdings zeigen, dass diese Hautflora-ähnliche Bakterienbeschichtung auch die Ameisen selbst schützt. Entfernten sie den mikrobiellen Schutzmantel mit einem Antibiotikum, wurden die Insekten anfälliger für Infektionen mit einem Pilz, der seine Wirtstiere langsam tötet. (Thalles Mattoso von der State University of North Fluminense et al: Biology Letters, doi:10.1098/rsbl.2011.0963)
Babys finden berechtigte Strafen gut
Forscher konnten erneut dokumentieren, dass bereits Babys im Alter von acht Monaten einen Sinn für Gerechtigkeit heben. Bisher war ihre Vorliebe für Menschen bekannt, die freundliches Verhalten zeigen. Untersuchungen britischer Forscher legen nun allerdings nahe, dass die Kleinen auch negative Handlungen gut finden, aber nur dann, wenn damit unsoziales Verhalten bestraft wird. Das ging aus einem Experiment mit Handpuppen hervor. Die Wissenschaftler spielten dabei etwa hundert Babys verschiedene Szenen vor: Sie sahen dabei Puppen-Charaktere, die sich unsozial gegenüber anderen verhielten. Diese Übeltäter wurden wiederum von anderen Puppen mal belohnt, mal bestraft. Anschließend sollten die Kinder nun ihre Lieblingspuppen auswählen. Beliebt waren dabei nicht etwa die netten Puppen, sondern solche, die böse Puppen bestraft hatten. (Kiley Hamlin et al.: PNAS: 10.1073/pnas.1110306108)
wissenschaft.de – Martin Vieweg





