Wissenschaftler haben gentechnisch veränderte Mäuse mit einem außergewöhnlichen Geruchssinn vorgestellt: Sie können verdünnte Aromen 10.000mal besser riechen als ihre Artgenossen. Den Nagern fehlt das Protein “Kv1.3”, das bei der Übertragung der Informationen von der Nase zum Gehirn eine wichtige Rolle spielt. Über die Ergebnisse amerikanischer Forscher berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift Nature (5. Februar).
Um den Mechanismus des Geruchssinns besser zu verstehen, entwickelten die Wissenschaftler um Debi Fadool von der Universität von Florida in Tallahassee einen Mausstamm, dem der genetische Bauplan für einen so genannten Kaliumkanal fehlt. Solche Kanäle spielen für die Weiterleitung der Nervensignale ein wichtige Rolle. Zur Überraschung der Forscher profitierten die Mäuse jedoch vom Verlust dieses Kanals. Die genetisch veränderten Nager kamen doppelt so schnell auf die Fährte von verführerisch duftenden Erdnussbutter-Kräckern. Galt es verdünnte Aromen wie beispielsweise Pfefferminz zu erschnüffeln, waren sie ihren Mitstreitern sogar um das 10.000fache überlegen. Das sei eine bemerkenswerte Steigerung für ein Tier, das schon von Haus aus einen guten Riecher besitzt. Die veränderten Mäuse seien in der Lage, Moleküle geruchlich zu unterscheiden, die chemisch fast identisch sind, schreiben die Forscher.
Die weitere Untersuchung der genmanipulierten Mäuse ergab, dass bei ihnen die Gehirnstrukturen verändert waren, in denen die Verarbeitung der Geruchsinformation stattfindet. Außerdem war die Aktivität der für das Riechen wichtigen Nervenfasern stark erhöht. Bisher könne jedoch niemand sicher sagen, ob diese beiden Faktoren der Grund für den verbesserten Geruchssinn seien, meint Fadool. Die Forscher vermuten, dass die Unterschiede im Geruchssinn bei vielen Menschen auf ähnliche Weise zustande kommen: Wenn manche Menschen den Geruch einer Ananas nicht von dem einer Banane unterscheiden können, könne das mit der Ausstattung mit dem Gen “Kv1.3” zusammenhängen, so Fadool.
ddp/bdw ? Karin Otzelberger





