Seit Urzeiten gehört die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) zu den wichtigsten Kulturpflanzen im südlichen Mittelmeerraum und Nahen Osten. Man nimmt an, dass ihre Kultivierung vor etwa 7000 Jahren im Bereich des persischen Golfs begann und sich anschließen nach Westen ausgebreitet hat. So entstanden in der Antike auch im heutigen Israel um die Stadt Jericho und entlang des Toten Meeres bedeutende Anbaugebiete. Die von dort stammenden sogenannten judäischen Datteln wurden als besonders groß und süß beschrieben. Doch das Wissen über den lokalen Anbau und die Palmen gingen verloren, denn im Rahmen der Umwälzungen in der Region verschwanden die Dattelplantagen bereits in der Spätantike.
Aus dem Dornröschenschlaf erweckt
So galten die antiken judäischen Dattelpalmen zunächst als ausgestorben – doch das änderte sich im Jahr 2005: Einem Forscherteam war es gelungen, einen über 2000 Jahre alten Dattelsamen zum Keimen zu bringen, der in der berühmten Felsenfestung Masada gefunden worden war. Wie sie erklären, war dies durch die erstaunliche Vitalität von Dattelsamen sowie die günstigen Konservierungsbedingungen möglich. Mittlerweile hat sich aus dem Pflänzchen eine männliche Palme entwickelt, die „Methuselah“ genannt wird. Das Team kann auch weitere Erfolge bei der „Erweckung“ antiker Dattelsamen vorweisen: Es ist ihnen gelungen, aus einer Sammlung von Dattelsamen, die in Masada, Qumran und Wadi Makukh gefunden wurden, sechs weitere Exemplare zum Keimen zu bringen. Die entstandenen Pflanzen erhielten die biblischen Namen Hannah, Adam, Judith, Boaz, Jonah und Uriel und wurden mittlerweile ins Freiland gepflanzt.
Durch Radiokarbondatierungen der Samen konnten die Forscher auch jeweils eingrenzen, wann ihre Mutterpflanzen gelebt haben. Sie stammen demnach aus unterschiedlichen Perioden im Zeitfenster vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. Im Rahmen der aktuellen Studie haben die Forscher um Michael Purugganan von der New York University nun die Genome aller sieben judäischen Dattelpalmen sequenziert. Sie bezeichnen ihren Ansatz dabei als „Resurrection genomics“: Sie haben die gewonnenen Daten untereinander sowie mit genetischen Informationen heutiger Dattelpalmen verglichen, um Besonderheiten aufzudecken.
„Resurrection genomics“ mit Potenzial
Wie sie berichten, ging aus den genetischen Untersuchungen zunächst grundlegend hervor, dass durch den langen Schlummer der Samen überraschend wenig Mutationen entstanden sind. Bei den Vergleichen der Genome zeigte sich dann: Die ältesten Exemplare aus dem 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr. ähnelten den heutigen westasiatischen Dattelsorten. Bei den Palmen aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. bis zum zweiten Jahrhundert n. Chr. zeichnet sich hingegen eine zunehmende genetische Verwandtschaft mit heutigen nordafrikanischen Dattelpalmen ab, schreiben die Forscher. Den Forschern zufolge bilden die sieben judäischen Dattelpalmen aufgrund ihrer genetischen Unterschiede keine wirkliche gemeinsame Identität. „In dieser Hinsicht stellt die Bezeichnung judäische Dattelpalme möglicherweise weniger eine bestimmte genetische Population dar, sondern eher eine Herkunftsbezeichnung“, schreiben Purugganan und seine Kollegen.





