Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Erde und ein UNESCO-Weltnaturerbe. Doch dieses einzigartige Ökosystem vor der Ostküste Australiens ist akut bedroht. Neben der Verschmutzung des Meeres und einer Massenvermehrung gefräßiger Seesterne macht den Korallen vor allem der Klimawandel zu schaffen. Denn durch die Erwärmung des Meerwassers kommt es immer häufiger zur sogenannten Korallenbleiche. Dieses Phänomen entsteht, wenn die Nesseltiere bei Stress – zum Beispiel durch zu warmes Wasser – ihre einzelligen Algen-Symbionten abstoßen. Es kann im Extremfall zum Absterben der Korallen führen. Bisher galt, dass vor allem Riffe in flachen Gewässern anfällig für dieses mitunter tödliche Ausbleichen sind. In größeren Tiefen wachsende Korallen müssten dagegen besser geschützt sein, weil sich das Wasser in diesen Bereichen nicht so schnell erwärmt. Sie gelten daher als wichtige Reserven, die Verluste in geringeren Tiefen zu einem gewissen Grad kompensieren und somit zum Erhalt des Ökosystems beitragen können.
Überraschung in der Tiefe
Doch stimmt diese Annahme überhaupt? Dieser bisher ungeklärten Frage haben sich nun Wissenschaftler um Pedro Frade von der Universität der Algarve in Fado gewidmet. Ihr Studienzeitraum: das bisher schlimmste Korallenbleiche-Ereignis des Great Barrier Reefs im Rekordsommer 2016. Für ihre Untersuchung beobachteten die Forscher, in welchem Zustand sich Korallen an unterschiedlichen Standorten während des Höhepunkts der Bleiche befanden. Zusätzlich analysierten sie mithilfe von Unterwasser-Robotern die Entwicklung der Wassertemperaturen. Welche Unterschiede würden sich zwischen Korallenriffen in flachen und solchen in tiefen Bereichen feststellen lassen? Die Auswertung zeigte: Tatsächlich hatte die Korallenbleiche zwar umso stärker um sich gegriffen, je flacher der Standort war. Trotzdem waren auch die Riffe im Tiefenwasser überraschend stark betroffen.
In 40 Metern Tiefe waren demnach immerhin 40 Prozent aller Korallen erblichen und sechs Prozent abgestorben. Zum Vergleich: In fünf bis 25 Metern Tiefe lag der Anteil der Bleiche bei 60 bis 69 Prozent, der der toten Korallen bei acht bis zwölf Prozent. “Es war ein Schock zu sehen, dass sich die Bleiche bis zu weit unterhalb der Wasseroberfläche wachsenden Riffen ausdehnte. Wir hatten gehofft, die Tiefe würde einen effektiven Schutz vor diesem verheerenden Ereignis darstellen”, konstatiert Frade. Warum auch die Korallen in 40 Metern Tiefe in diesem Sommer deutliche Stressreaktionen zeigten, offenbarte schließlich die Temperaturanalyse. So bewegten sich die Wassertemperaturen zu Beginn der Messungen noch im Wohlfühlbereich der Nesseltiere. Durch saisonale Strömungen einfließendes Kaltwasser fungierte dabei als Puffer, der einer zunehmenden Erwärmung des Wassers entgegenwirkte. Mit dem Fortschreiten des Sommers versiegte diese Kältequelle jedoch: “Dadurch kam es dann auch in der Tiefe zu anomal warmen Temperaturen”, schreiben die Forscher.





