Lange glaubte man, dass alle Dinosaurier einen dicken Schuppenpanzer trugen – auch weil kaum Fossilien mit erhaltener Haut bekannt waren. Doch neuere Fossilfunde haben dies geändert. Heute ist klar, dass viele Dinosaurier schon ein farbiges Federkleid trugen – vom wendigen Microraptor bis zum furchteinflößenden Tyrannosaurus. Sogar die Struktur dieser meist noch eher haar- oder daunenähnlichen Urzeit-Federn lässt sich an Fossilien und Bernsteineinschlüssen ablesen. Doch strittig war bisher, wann und bei wem sich die ersten Federn entwickelten. Geschah dies erst innerhalb der Gruppe der Dinosaurier – oder hatten womöglich schon deren Vorfahren ein einfaches Federkleid? Bisher schien letzteres eher unwahrscheinlich, weil die Flugsaurier als Schwestergruppe der Dinos noch keine echten Federn besaßen. Ihr Körper war stattdessen von fellartigen Haaren bedeckt, den sogenannten Pycnofasern – so glaubte man jedenfalls bisher.
Flugsaurier mit vier Arten von Protofedern
Doch Baoyu Jiang von der Universität Nanjing und seine Kollegen haben nun im Süden der Mongolei zwei Pterosaurier-Fossilien entdeckt, die diesen Annahmen widersprechen. Beide Fossilien sind 165 bis 160 Millionen Jahre alt und stammen demnach aus dem späten Jura. “Beide Exemplare sind fast vollständig und mitsamt vieler Weichteile enthalten”, berichten die Paläontologen. Unter diesen sind neben Muskelfasern auch Hautteile und ein Großteil der Hautanhänge. Nähere Analysen enthüllten, dass diese auf den ersten Blick haarähnlichen Anhänge einige verblüffend federähnliche Merkmale aufwiesen. “Wir haben uns auf Areale der Fossilien konzentriert, an denen die Federn nicht überlappen, so dass wir ihre Struktur klar erkennen konnten”, berichtet Co-Autorin Maria McNamara vom University College Cork. Mithilfe von Elektronenmikroskopen, aber auch verschiedenen Methoden der Spektroskopie konnten die Forscher den Aufbau dieser urzeitlichen Federn näher untersuchen.
Es zeigte sich: Diese Flugsaurier besaßen neben den einfachen haarähnlichen Pycnofasern noch drei weitere, komplexere Federvorformen. So trugen die Pterosaurier am Nacken, den Flügelenden und dem Schwanz pinselähnlich gebündelte Filamente. Am Kopf fanden sich dagegen Hautanhänge, die etwa auf halber Höhe ein Büschel abzweigender Haare trugen. Auf den Flügelhäuten besaßen die Flugsaurier sogar daunenähnlich verzweigte Federn. All diese Federtypen sind auch schon von zwei Dinsauriergruppen – den pflanzenfressenden Vogelbeckensauriern und den fleischfressenden Theropoden – bekannt, wie die Paläontologen berichten. Ähnlich wie bei diesen fanden sich im Inneren der Federn sogar Reste von Melanosomen – Pigmentzellen, die den Federn eine bräunliche Farbe verliehen.





