Ohne die Wärmezufuhr aus dem Atlantik hätten wir in Europa Bedingungen wie in Alaska: Unser mildes Klima haben wir den warmen Wassermassen zu verdanken, die das Strömungssystem des Atlantiks aus dem Süden bringt. Die atlantische Umwälzbewegung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC) hat darüber hinaus auch eine wichtige Bedeutung für das Erdklima insgesamt. Das Strömungssystem lässt sich mit einer gigantischen Umwälzpumpe vergleichen, die warmes Wasser in den Norden und kaltes in den Süden transportiert. Die Umwälzung wird dabei von Unterschieden in der Dichte des Meerwassers angetrieben: Von Süden fließt das warme und daher leichtere Wasser nach Norden, wo es abkühlt und als kaltes, schwereres Wasser in tiefere Ozeanschichten absinkt und wieder nach Süden strömt.
Droht die Pumpe auszufallen?
Doch wie verhält sich dieses System im Zuge der klimatischen Veränderungen? Daten aus den letzten 15 Jahren sowie Computermodelle geben Anlass zur Sorge: Die AMOC zeigte in diesem Zeitraum Anzeichen einer Verlangsamung. Es ist jedoch bisher unklar, ob dies auf Effekte der globalen Erwärmung oder auf eine kurzfristige Anomalie im Zusammenhang mit der natürlichen Variabilität der Ozeane zurückzuführen ist. “Es gibt dazu noch keinen Konsens unter den Wissenschaftlern”, sagt Alexey Fedorov von der Yale University. „Aber wir müssen die AMOC-Stabilität auf jeden Fall im Auge behalten. Denn die bloße Möglichkeit, dass die Strömung zusammenbrechen könnte, ist schon ein Grund zur Besorgnis“, so der Wissenschaftler. “Wir wissen, dass die AMOC vor 15.000 bis 17.000 Jahren zum letzten Mal deutlich geschwächelt hat, was mit erheblichen lokalen und globale Auswirkungen verbunden war”, fügt Fedorov hinzu.
Durch eine Kombination aus Beobachtungsdaten und ausgeklügelten Computermodellierungen erforschen Fedorov und sein Kollege Shineng Hu von der University of California in San Diego die komplexen Effekte, die der Klimawandel hervorrufen kann.. Im Rahmen der aktuellen Studie richtete sich ihr Blick nun auf eine weit entfernte Region: auf den Indischen Ozean. Der Hintergrund: Sogar Effekte, die dort im Rahmen des Klimawandels auftreten, können sich im Atlantik bemerkbar machen – denn klar ist: Im Weltklima gibt es viele Verknüpfungen und komplexe Wechselwirkungen. “Im Indischen Ozean macht sich die globale Erwärmung ausgesprochen deutlich bemerkbar”, sagt Hu. Dadurch konnten die Forscher bei ihren Untersuchungen auf stabile Daten zurückgreifen.
Kaskadeneffekte von einer Seite der Erde zur anderen
Wie sie berichten, zeichneten sich in ihren Modellen deutliche Kaskadeneffekte ab, die Veränderungen im Indischen Ozean mit Effekten im Atlantik verknüpfen: Im Zuge der schnellen Erwärmung des Indischen Ozeans kommt es demnach zu zusätzlichen Niederschlägen. Dies wiederum zieht mehr Luft aus anderen Teilen der Welt, einschließlich des Atlantiks, in das riesige Meeresgebiet östlich von Afrika. Den Modellen zufolge führt dies letztlich zu weniger Niederschlägen im Atlantik.





