Von der Kamille über die Brennnessel bis hin zum Johanniskraut: Deutsche Wiesen sind eine wahre Schatzkammer für Heil- und Arzneipflanzen. Um darauf aufmerksam zu machen, wählt der interdisziplinäre Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ der Universität Würzburg alljährlich eine Arzneipflanze des Jahres. In diesem Jahr geht der Tiel an die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium).
Ein Allrounder unter den Arzneipflanzen
Die meisten von uns sind wahrscheinlich schon einmal an einer Schafgarbe vorbeigelaufen – wenn auch unwissentlich. Denn die bis zu 80 Zentimeter hohe Pflanze mit verzweigten Stängeln und zahlreichen kleinen weißen Blüten wächst häufig an Acker- und Wegrändern sowie auf Wiesen und Weiden. Ihr Name leitet sich einerseits davon ab, dass Schafe die unscheinbare Pflanze liebend gern fressen, und andererseits davon, dass sie der Gesundheit auf die Sprünge hilft. Denn „Garbe“ kommt vom althochdeutschen Wort „garwe“, was so viel bedeutet wie „heilen“. Der lateinische Name Achillea millefolium wiederum geht auf den griechischen Sagenhelden Achilles zurück, der die Wunden seiner Soldaten mit Schafgarbenkraut behandelt haben soll.

Auch heute noch, Jahrtausende nach Achilles, verarbeiten pharmazeutische Unternehmen Schafgarbenkraut und -blüten zu Tees, Dragees und Tinkturen. Wirksam sind dabei vor allem die verschiedenen Bitter- und Gerbstoffe der Schafgarbe sowie aus ihr gewonnene ätherische Öle und Flavonoide. Im Inneren des Körpers kann die Wirkstoffkombi der Schafgarbe zum Beispiel gegen vorübergehende Appetitlosigkeit, leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden und menstruationsbedingte Krämpfe helfen, wie der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie mitteilt. Äußerlich lassen sich mit Schafgarbenkraut-Aufgüssen kleine oberflächliche Wunden und leichte Haut- und Schleimhautentzündungen behandeln. Sitzbäder mit Schafgarbe können Frauen außerdem bei Krämpfen im Beckenbereich helfen.
Wie man mit Schafgarbe heilt
Wer die Wirkung der Schafgarbe einmal selbst austesten möchte, kann dies in Form zertifizierter Arzneiprodukte tun oder sich selbst einen Aufguss zubereiten. Für einen Schafgarbentee reichen zwei Gramm geschnittenes Schafgarbenkraut oder -blüten, die mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergossen werden. Im Anschluss zehn bis 15 Minuten ziehen lassen. Für Sitzbäder braucht man 100 Gramm Schafgarbenkraut auf ein bis zwei Liter Wasser. Diese Mischung sollte dann insgesamt 20 Minuten ziehen.





