Die industrialisierte Landwirtschaft gilt als einer der Hauptfaktoren für das Insektensterben der letzten Jahrzehnte. Vor allem die großen Monokulturen führen zu einem Verlust von Lebensräumen und Strukturvielfalt. Doch auch die modernen Mähmaschinen tragen nach Einschätzung von Experten zu einer Abnahme der Biodiversität bei. Diese sind zwar für die Instandhaltung von Grünflächen hocheffizient, doch bei ihrem Einsatz wird ein beträchtlicher Anteil an kleinen Wiesenbewohnern getötet – ein kritischer Faktor für den dramatischen Rückgang von Insekten in Europa und weltweit.
Die Folgen der Mahd
Das Mähen ist für die auf Wiesen und Grünflächen lebenden Insekten aus zwei Gründen gefährlich: Zum einen werden durch den Mähvorgang selbst viele im Gras sitzende Insekten getötet. Aber das Mähen ist auch problematisch, weil es den Insekten wichtige Ressourcen nimmt. “Es mindert die Qualität der Lebensräume für Insekten, weil sich zum Beispiel Blühpflanzen nicht entwickeln. Auf kommunalen Grünflächen und an Straßenrändern führt das auf den Flächen verbleibende Schnittgut darüber hinaus zu einer Überversorgung mit Nährstoffen”, erklärt Johannes Steidle von der Universität Hohenheim.
Er und seine Kollegen haben nun die Wirksamkeit einiger technologischer Innovationen untersucht, die unmittelbare Folgen des Mähvorgangs für die Insekten abmildern sollen. Als Beispiel für die Untersuchung dient ein Böschungsmähkopf, der speziell auf den Schutz der Insekten ausgerichtet ist. Der neue Mähkopf hat im Vergleich zu den herkömmlichen Geräten eine verkleinerte Kontaktfläche mit dem Gras und eine erweiterte Schnitthöhe von mindestens zehn Zentimetern über dem Boden. Außerdem soll die neue Generation der Mähköpfe das Aufsaugen von Insekten verhindern, da die Unterseite größtenteils verschlossen ist und kein vertikaler Luftstrom von unten nach oben erzeugt wird.
Insektensterben am Straßenrand
Welchen Effekt die klassische und neue Mähtechnik auf Insekten hat, haben die Forschenden an der Mahd von Grünstreifen entlang von Straßen untersucht. Dort sind die durch Mähen verursachten Folgen besonders kritisch, weil diese Grünstreifen oft als Korridore zur Vernetzung von Insektenpopulationen dienen. “In Übereinstimmung mit früheren Studien stellten wir fest, dass das Mähen mit einem konventionellen Mähkopf zu erheblichen Verlusten bei Arthropoden führte”, berichten Steidle und seine Kollegen. Nach dem Mähvorgang reduzierte sich der Wanzenbestand um 30 Prozent und der der Webspinnen, Singzikaden, Hautflügler und Zweiflügler, wie Mücken und Fliegen, sogar jeweils um 50 Prozent. Am erheblichsten waren jedoch die Verluste von Schmetterlingen, deren Bestände sich nach dem Mähen um 87 Prozent dezimierten.





