Unser Plastikmüll verschmutzt selbst die entlegensten Gebiete der Erde. Weil sich der Kunststoff kaum biologisch abbaut, bleibt er jahrhundertelang in der Umwelt erhalten und zerfällt im Laufe der Zeit zu immer kleineren Partikeln. An Ende dieser Entwicklung steht das Mikroplastik – Plastikpartikel, -fasern, -pellets und andere Kunststofffragmente, die kleiner als fünf Millimeter sind. Mikroplastik kann aber auch aus Textilien oder Kosmetika sowie aus dem Abrieb von Autoreifen freigesetzt werden.
13.000 Mikroplastikpartikel pro Kilogramm Sediment
Inzwischen findet sich Mikroplastik selbst im Eis der Polargebiete oder in den tiefsten Tiefseegräben der Erde. Wie es dorthin kommt und wo es bleibt, haben nun Forscher um Mine Tekman vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)in Bremerhaven durch Messungen in der Framstraße untersucht. Dieses Meeresgebiet liegt zwischen der Nordostküste Grönlands und der Inselgruppe Spitzbergen und umfasst eine bis zu 5600 Meter tiefe Tiefseerinne, in der zwei gegenläufige Meeresströmungen wie auf einer Autobahn dicht aneinander vorbeiströmen. Damit bildet die Framstraße die einzige Tiefenwasserverbindung zwischen dem Arktischen und dem Atlantischen Ozean. In diesem Meeresgebiet haben Tekman und ihre Kollegen nun systematisch Proben aus verschiedenen Wassertiefen sowie vom Sediment genommen, um die Mikroplastikbelastung zu ermitteln.
Die Analyse der Proben aus dem Arktis-Tiefsee-Observatorium HAUSGARTEN ergab: Während das freie Wasser in der Framstraße eher durchschnittliche Mengen von Kunststoffpartikeln enthält, ist die Belastung des Sediments außerordentlich hoch: Untersuchungen in einem Fourier-Transform-Infrarot-Spektrometer (FTIR) ergaben eine Belastung von bis zu 13.000 Mikroplastikpartikeln pro Kilogramm Sediment, wie die Forscher berichten. Dies ist bis zu 16.000-fach höher als in der darüberliegenden Wassersäule. In diesem Mikroplastik waren nahezu alle gängigen Kunststoffe vertreten, von Polyamid aus Textilien und Fischernetzen über Synthesekautschuk aus dem Automobil- und Gerätebau oder Dichtstoffen bis zu Ethylen-Vinylacetat aus Beschichtungen, Lacke, Papier, Verpackungen oder Schuhsohlen. In den Ablagerungen am Meeresboden waren vor allem Partikel aus chloriertem Polyethylen (CPE) stark vertreten, einem Kunststoff, der beispielsweise bei der Herstellung von Kabeln, Schläuchen, Folien und Antiblockiersystemen (ABS) eingesetzt wird.
Mehr als die Hälfte aller identifizierten Kunststoffpartikel war kleiner als 25 Mikrometer, wie Tekman und ihre Kollegen berichten. Diese Größe entspricht in etwa dem halben Durchmesser eines feinen menschlichen Haares. “Dieser hohe Anteil so kleiner Partikel gibt uns wirklich zu denken, weil sich natürlich sofort die Frage stellt, wie zum Beispiel Tiere auf diese winzigen Kunststoffreste reagieren”, sagt Melanie Bergmann vom AWI.





