Mikroplastik findet sich inzwischen in fast sämtlichen Gewässern: Winzige Kunststoffteilchen schwimmen in Seen, Flüssen und in den Ozeanen. Dort werden die weniger als fünf Millimeter kleinen Partikel durch den langsamen Zerfall von Plastikmüll freigesetzt. Das Mikroplastik kann aber auch bereits an Land entstehen und dann mit dem Wind oder über Abflüsse ins Meer gelangen. Studien belegen, dass Plastikpartikel, -fasern, -pellets und andere Kunststofffragmente sogar in so entlegenen Bereichen wie der Arktis das Wasser verschmutzen. Dort haben Wissenschaftler um Ilka Peeken vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven nun traurige Rekordzahlen ermittelt: Sie fanden im arktischen Meereis so viel Mikroplastik wie niemals zuvor.
Um die Mikroplastik-Belastung zu messen, untersuchten die Forscher Eisproben aus fünf unterschiedlichen Regionen entlang der Transpolardrift und der Framstraße. Mithilfe eines Fourier-Transform-Infrarotspektrometers durchleuchteten sie die Eiskerne Schicht für Schicht. Das Gerät analysiert die von Mikropartikeln reflektierte Strahlung und ermöglicht es nicht nur, die genau Menge und Verteilung kleinster Teilchen im Eis zu bestimmen. Anhand ihres charakteristischen optischen Fingerabdrucks lassen sich zudem Rückschlüsse auf die Art der Partikel ziehen.
Besonders viele und kleine Teilchen
Die Ergebnisse zeigten: Die Proben aus der Arktis enthielten zum Teil mehr als 12.000 Mikroplastik-Teilchen pro Liter Meereis – und damit zwei- bis dreimal so viel wie bei früheren Untersuchungen gefunden worden war. Überraschend auch: Rund zwei Drittel – nämlich 67 Prozent – der im Eis detektierten Kunststoffpartikel waren kleiner als 50 Mikrometer. Demnach waren etliche der entdeckten Teilchen sogar nur winzige elf Mikrometer klein. “Das entspricht in etwa dem Sechstel-Durchmesser eines menschlichen Haares”, sagt Peekens Kollege Gunnar Gerdts. Dass die Wissenschaftler dank ihrer sensiblen Analysemethode selbst solche kleinen Partikel aufspüren konnten, könnte ihnen zufolge die erstaunlich hohen Kunststoffkonzentrationen erklären.
Um welche Substanzen aber handelte es sich bei dem gefundenen Mikroplastik? Insgesamt identifizierte das Team 17 Kunststofftypen im Meereis – darunter Verpackungsmaterialien wie Polyethylen und Polypropylen, aber auch Lacke, Nylon, Polyester sowie Cellulose-Azetat, das vor allem bei der Herstellung von Zigarettenfiltern verwendet wird. Diese sechs Stoffe machten zusammen rund die Hälfte aller nachgewiesenen Mikroplastikpartikel aus. Die Zusammensetzung variierte von Probe zu Probe allerdings deutlich, wie Peeken berichtet: “Wir haben die Wanderung der beprobten Eisschollen zurückverfolgt und können belegen, dass sowohl die Region, in der das Meereis gebildet wird, als auch die Wassermassen, in denen die Schollen durch die Arktis treiben und weiterwachsen, einen gravierenden Einfluss auf die Zusammensetzung und Schichtung der eingeschlossenen Partikel haben.”





