Die Erwärmung der Arktis lässt nicht nur Gletscher, Meereis und den Permafrost schmelzen, auch die Tiere und Pflanzen der Polarregionen müssen sich an die sich schnell wandelnden Bedingungen anpassen. “Es wird aber immer deutlicher, dass die Reaktionen der arktischen Spezies sehr unterschiedlich ausfallen”, erklären Amanda Koltz von der Washington University in St. Louis und ihre Kollegen. Während einige ohne größere Problem mit den Veränderungen klarkommen und sogar profitieren, droht anderen der Verlust ihrer Lebensgrundlage. Das macht es sehr schwer zu ermitteln, wie sich die arktischen Ökosysteme als Ganzes oder selbst bestimmten Organismengruppen durch den Klimawandel verändern.
Mehr Pflanzenfresser und Parasitoide
Um hier mehr Klarheit zu schaffen, haben Koltz und ihre Kollegen nun an einer der artenreichsten und zahlreichsten Tiergruppen der Arktis angesetzt: den Arthropoden. Die unzähligen Insekten, Spinnen und anderen Gliederfüßer machen einen Großteil der Biomasse in den arktischen Tundren aus – weit mehr als Vögel oder Säugetiere. Hinzu kommt: die Gliederfüßer besitzen nur kurze Generationszeiten und sind als wechselwarme Tiere besonders stark von ihrer Umgebungstemperatur geprägt. An ihnen lassen sich daher klimabedingte Veränderungen besonders früh ablesen, wie die Forscher erklären. Für ihre Studie haben sie die Artverteilung und Häufigkeit der Arthropoden untersucht, die in der Zeit von 1996 bis 2014 von Wissenschaftler der Zackenberg-Feldstation an der Nordostküste Grönlands gesammelt worden waren. Außerdem ermittelten sie die klimatischen Veränderungen, die es in dieser Zeit gegeben hat.
Das Ergebnis: Wie erwartet hat sich das Klima in dieser Region Grönlands im Verlauf der 19 Jahre verändert: Sommer und Herbst – die Jahreszeiten, in denen Arthropoden aktiv sind – sind im Schnitt wärmer geworden. Im Winter gibt es immer weniger Wechsel zwischen Frost und Taubedingungen, wie die Forscher berichten. Das wirkte sich auch auf die Arthropoden aus. In den Jahren, in denen die Klimaveränderungen besonders spürbar waren, veränderte sich die Zusammensetzung der Artengemeinschaft messbar. “Wir haben eine Zunahme von Pflanzenfressern, vor allem der Wanzen, und von Parasitoiden wie den Hautflüglern festgestellt “, berichten Koltz und ihre Kollegen. “Detrivore wie Springschwänze und Milben haben dagegen abgenommen.” Als Detrivore bezeichnen Biologen Arten, die sich von organischen Abfällen wie Blättern, Kot oder den Kadavern von Tieren ernähren.





