Amerikanische Wissenschaftler haben den ersten wirksamen Antikörper gegen die Lungenkrankheit SARS isoliert: “80R” verhindert das Eindringen der Viren in kultivierte menschliche Zellen im Labor. Das berichten die Forscher in der Fachzeitschrift PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0307140101). Damit besteht die Hoffnung, in absehbarer Zeit eine Impfung gegen die ansteckende Viruserkrankung entwickeln zu können. Erste Tests an Tieren seien bereits sehr vielversprechend verlaufen, teilten die Wissenschaftler mit.
“80R” dockt an ein Protein der Virushülle an, das den Erregern den Zugang zu den Körperzellen ermöglicht. Dieses S1 genannte Eiweiß ist ein Teil der auffälligen Stachelstruktur der Corona-Viren, zu denen auch der SARS-Erreger gehört. Einmal mit dem Antikörper verbunden, passt S1 nicht mehr in das Schloss auf der Oberfläche der Zelle und eine Infektion bleibt aus.
Das Forscherteam von der medizinischen Fakultät der Harvard-Universität in Boston und dem nationalen Zentrum für Krankheitskontrolle und Vorsorge (CDC) in Atlanta hatte auf der Suche nach einem passenden Antikörper kleine Testgefäße mit einem Teil des S1-Proteins beschichtet und eine Mischung von mehr als 27 Milliarden Antikörpern in die Gefäße gefüllt. Acht dieser Antikörper passten genau zu der S1-Struktur und blieben daran haften. Bei weiteren Tests zeigte sich jedoch, dass nur “80R” auch das Eindringen der Viren in kultivierte Zellen verhindern konnte.
Sollte sich die Wirksamkeit des Antikörpers in den Tierversuchen bestätigen, könne mit der kommerziellen Produktion und klinischen Tests am Menschen begonnen werden, sagt Studienleiter Wayne Marasco. Die Antikörper könnten dann bei einer so genannten passiven Impfung eingesetzt werden, bis eine aktive Impfung, bei der die körpereigene Antikörperproduktion angeregt wird, zur Verfügung stehe. So sei es eventuell möglich, eine Epidemie wie im Frühjahr 2003 zu verhindern.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





