Australische Singvogelmännchen machen potenzielle Partnerinnen mit einem Trick auf sich aufmerksam: Sie warten, bis einer ihrer Feinde – eine Würgerkrähe – zu singen beginnt, und stimmen dann selbst mit ein. Das haben zwei US-amerikanische Ornithologen bei dem in Australien beheimateten Türkisstaffelschwanz beobachtet. Die Strategie ist sehr effektiv: Da die Weibchen beim Klang des Krähenrufs sofort aufmerksam werden, sind sie besonders empfänglich für die direkt folgenden Balzrufe. Man könne das mit der Taktik von Teenagern vergleichen, den oder die Angebetete in Horrorfilme einzuladen – auch hier lasse sich besser anbandeln als unter normalen Bedingungen, sagen die Forscher.
Schon früher war Ornithologen aufgefallen, dass der in Australien beheimatete Türkisstaffelschwanz auf den Ruf einer seiner Hauptfeinde mit eigenem Gesang reagiert: Lässt der aggressive Graurücken-Krähenwürger seine Stimme erklingen, stimmt der Türkisstaffelschwanz prompt mit einer eigenen, speziellen Tonfolge ein, so dass sich sogar ein Duett ähnlicher Gesang ergibt. Dieses Verhalten irritierte die Forscher zunächst ? wer singt schließlich freiwillig, wenn der Feind in der Nähe ist? Möglicherweise zeigen die Männchen auf diese Weise, dass sie besonders fit sind und es sich problemlos erlauben können, den gefährlichen Feind auf sich aufmerksam zu machen, spekulierten einige Wissenschaftler. Alternativ könnte es natürlich auch sein, dass sie das Erschrecken der Weibchen irgendwie für ihre eigenen Zwecke nutzen, etwa für die Chance auf ein kleines Zwischenspiel, lautet eine andere Theorie. Denn Türkisstaffelschwänze leben zwar in einer festen Paarbeziehung, pflegen aber häufig Seitensprünge.
Um diese beiden Thesen auf den Prüfstand zu stellen, spielten Emma Greig und Stephen Pruett-Jones den Vögeln unterschiedliche Gesänge vor und zeichneten ihr Verhalten auf. Um sich zu verständigen, haben Männchen wie Weibchen des Türkisstaffelschwanz neben Warnrufen auch einen bestimmten Territorial-Gesang. Doch nur das Männchen pflegt noch eine weitere, ganz spezielle Gesangsvariante. Diese stimmt es einerseits in der Dämmerung an, lässt sie aber ebenfalls dann hören, wenn ein Graurücken-Krähenwürger in der Nähe zu hören ist. Im zweiten Fall hat das Männchen deutlich mehr Chancen bei den Weibchen, fanden die Wissenschaftler heraus: Die Weibchen hoben öfter den Kopf, flogen auch häufiger auf und antworten auch eher mit eigenem Gesang, wenn der Krähenwürger den Ton vorgibt als wenn das Männchen seine Melodie als Solo erklingen lässt.
Da die Männchen nicht singen, wenn der Graurücken-Krähenwürger zwar in Sichtnähe ist, aber stumm bleibt, gehen Greig und Pruett-Jones davon aus, dass die Vögel mit ihrem Verhalten nicht ihre besondere Fitness demonstrieren wollen. Hinzu kommt, dass alle Männchen dieses Sangesverhalten zeigen, unabhängig von ihrem Aussehen oder anderen Zeichen von Stärke und Gesundheit. Die Forscher sehen vielmehr ihre These bestätigt, dass der Türkisstaffelschwanz den Gesang seines Feindes als eine Art Aufmerksamkeitssignal benutzt. Für die Weibchen könnte das Signal Informationen über den Standort potenzieller Liebhaber enthalten – und sie zur Paarung stimulieren. In weiteren Studien wollen die Forscher nun herausfinden, ob dem wirklich so ist und ob der Sangeserfolg sich auch in der Zahl der Nachkommenschaft widerspiegelt. Die Forscher glauben sogar, dass sie auf eine allgemeine Strategie gestoßen sind, die nicht nur vom Türkisstaffelschwanz genutzt wird: “Wir vermuten, dass ein solches Verhalten weiter verbreitet ist, als bisher angenommen”, sagt Pruett-Jones.
Emma Greig und Stephen Pruett-Jones (University of Chicago): Behavioral Ecology, Bd. 21, S. 1360 dapd/wissenschaft.de – Anke Biester





