Carolina Doran und ihre Kollegen bastelten für ihre Versuchskolonien im Labor fünf verschiedene Unterkünfte, die einer qualitativen Abstufung entsprachen: Nummer fünf war das ideale Ameisen-Traumhaus, bei den folgenden Unterkünften fehlte dann immer ein Faktor mehr, bis zur schlechtesten Variante: Nummer eins besaß einen weiten Eingang, eine niedrige Decke und war noch dazu nur von einer lichtdurchlässigen Scheibe bedeckt. Die Forscher setzten nun jeweils ein Volk in eine der unterschiedlichen Behausungen und beobachteten das Verhalten.
Schlechte Wohnqualität macht erkundungsfreudig
Es zeigte sich: Je schlechter das neue Zuhause war, desto mehr Ameisen betätigten sich als Kundschafter. Sie waren den Forschern zufolge leicht daran zu erkennen, dass sie sich weiter als andere Ameisen vom Nest entfernten und das Terrarium, in dem es sich befand durchstöberten. Mit der Zeit ging die gesamte Erkundungsaktivität dann allerdings zurück, berichten die Biologen. Vermutlich weil die Ameisen erfasst hatten, dass es in ihrem kleinen Herrschaftsgebiet keine alternativen Nistmöglichkeiten gibt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Ameisengemeinschaft als Kollektiv in der Lage ist, ihre Investitionen in bestimmte Tätigkeiten den Umständen flexibel anzupassen, resümieren die Forscher. Aus ökonomischer Sicht sei das sehr sinnvoll, denn die Arbeitskraft im Ameisenstaat ist eine kostbare Ressource, die stets dem größten Nutzen dienen sollte. Wie die Ameisen die Qualität ihres Heims erfassen, beurteilen und und dann Verhaltenstrategien kommunizieren, bleibt allerdings weiterhin geheimnisvoll. Die faszinierenden Regelsysteme, die einen Haufen von Krabblern zu einer Gemeinschaft machen, bieten weiterhin viel Forschungspotenzial.





