Der Mount Everest fordert vor allem unter Bergsteigern über sechzig Jahren Opfer: Etwa jeder zwanzigste Bergsteiger jenseits dieses Alters kehrt von einer Expedition am höchsten Berg der Erde nicht lebend zurück. Das sind etwa dreimal so viele Todesfälle wie unter jüngeren Bergsteigern, haben amerikanische Forscher in einer Auswertung der Expeditionen zwischen 1990 und 2005 gezeigt. Von den wenigen Bergsteigersenioren, die den Gipfel auch erreichten, kam während des Abstiegs sogar jeder vierte ums Leben.
Die Wissenschaftler hatten in ihrer Auswertung auf Daten der heute 83-jährigen Journalistin Elisabeth Hawley zurückgegriffen, die von der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu aus seit vielen Jahren akribisch über jede größere Expedition Buch führt und inzwischen eine Datenbank mit mehr als 4.000 Expeditionen aufgebaut hat. Die Zahlen dokumentieren für die vergangenen 15 Jahre einen regelrechten Ansturm auf den höchsten Gipfel der Erde, dessen Erstbesteigung sich vor vier Jahren zum fünfzigsten Mal jährte. So versuchten zwischen 1990 und 2005 insgesamt 2.211 Bergsteiger ihr Glück am Everest.
Obwohl der Gipfel bergsteigerisch keine übermäßigen Anforderungen stellt, machen die große Höhe und das schwer kalkulierbare Wetter den Aufstieg zu einem gewagten Spiel: Nur jeder dritte erreicht überhaupt den Gipfel, und etwa jeder sechzigste kommt am Berg ums Leben ? Erschöpfung und Kälte sind neben der Höhenkrankheit und dem Risiko eines Absturzes die größten Gefahren. Nachdem die höchsten Berge der Welt viele Jahre lang vor allem ein Ziel junger Bergsteiger waren, machen sich immer mehr Alpinisten jenseits der vierzig oder gar sechzig in den Himalaja auf. Viele von ihnen greifen auf das zunehmende Angebot organisierter Expeditionen zurück, die zahlungskräftigen Kunden Pauschaltouren zu den höchsten Gipfeln der Welt anbieten.
Doch die Bergerfahrung älterer Alpinisten trägt offensichtlich wenig zum Gipfelerfolg bei, schließen die Forscher aus ihren Zahlen: Bereits ab vierzig nimmt die Chance auf den Gipfel rapide ab, und von den Bergsteigern über sechzig erreicht nur noch etwa jeder achte überhaupt den Gipfel. Ältere Alpinisten seien zwar im Schnitt weniger risikobereit als jüngere und hätten schon allein daher weniger Erfolgschancen, erklären die Wissenschaftler. Doch überraschend viele seien den extremen Bedingungen am Berg nicht gewachsen und müssten aufgeben oder kommen sogar ums Leben.
Raymond Huey (Universität von Washington in Seattle) et al.: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2007.0317 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





