Ob in der Antarktis, in Amerika oder Europa – durch die globale Erwärmung schrumpfen überall auf der Welt die Gletscher. So schmelzen mittlerweile auch in den Alpen immer mehr Schnee und Eis. Laut Prognosen könnten sie im Jahr 2100 sogar fast vollständig verschwunden sein. Und das hat nicht nur für den Skitourismus Folgen. Auch der Wasserkreislauf in den Gebirgen wird sich verändern und die Tier- und Pflanzwelt müssen sich an die steigenden Temperaturen anpassen. Bei den alpinen Pflanzen bestimmt die Schneeschmelze im Frühjahr normalerweise den Zeitpunkt der Vegetationsperiode mit.
Was erwartet die Alpen?
Wie sich der Zeitpunkt der alpinen Schneeschmelze verändert hat und wie sich dies zukünftig durch die Erderwärmung entwickeln könnte, haben nun Wissenschaftler um Maria Vorkauf von der Universität Basel untersucht. Dabei wollten sie auch abschätzen, wie sich diese Entwicklung auf die Vegetationsperiode der alpinen Pflanzen auswirkt. „Die Schneedecke schützt alpine Pflanzen vor Frost und mit der Schneeschmelze beginnt die Vegetationsperiode. Veränderungen in der Schneeschmelze beeinflussen diese Periode sehr stark“, so Vorkauf. In ihrer Studie prüfte das Forscherteam zunächst, ob und wie stark wie sich der Zeitpunkt der Schneeschmelze in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie stark die Lufttemperatur und der Schneefall dabei eine Rolle spielen.
Bisher waren nur wenige Messreihen zur Schneedecke in hohen Lagen verfügbar, da viele Messdaten nur in der Nähe bewohnter Gebiete unterhalb von 2000 Metern erhoben wurden. Das von den Forschern genutzte „Interkantonale Mess- und Informationssystem“ erfasst hingegen seit 2000 jede halbe Stunde automatisch die Schneehöhe in den Schweizer Zentralalpen zwischen 2000 und 3000 Metern. Diese Daten kombinierte das Team mit Messreihen von 23 tieferliegenden Stationen, deren manuelle Messungen bis mindestens in das Jahr 1958 zurückgehen. Basierend auf den ausgewerteten Messdaten und neuesten Klimaszenarien für die Schweiz konnten die Wissenschaftler ein Modell erstellen, das Prognosen zur zukünftigen Entwicklung der alpinen Schneedecke ermöglicht. Damit prognostizierte sie, mit welchen Verschiebungen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zu rechnen sind.
Künftig sechs Tage früher
Laut der Messdaten hat sich der Tag der Schneeschmelze in den letzten Jahrhunderten stetig nach vorne verschoben. „Es gab einen klaren Trend zu einer früheren Schneeschmelze und für zehn Stationen war diese Verschiebung statistisch signifikant“, so die Forschenden. Demnach schmolz die Schneedecke zwischen 1958 und 2019 auf einer Höhe von 1000 bis 2500 Metern jedes Jahrzehnt durchschnittlich rund drei Tage früher. Diese Verschiebung verlief jedoch nicht linear, sondern war Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre besonders ausgeprägt. Dies entspricht den starken Temperaturzunahmen in dieser Zeitspanne, wie sie in der Klimaforschung nachgewiesen wurden.





