Neben den Polargebieten gehören die Hochgebirge zu den Orten auf der Erde, an denen sich der Klimawandel am stärksten bemerkbar macht. Bereits vor einigen Jahren sagten Wissenschaftler voraus, dass von den fünf Alpengletschern Bayerns in knapp 30 Jahren nur noch einer übrig bleiben wird – nur der nördliche Höllentalferner auf der Zugspitze wird dann trotz Erwärmung und Schneemangel noch existieren, so ihre Prognose. Eine internationale Studie kam zu dem Schluss, dass die Alpen von allen Hochgebirgen und Eiskappen der Erde besonders vom Gletscherverlust betroffen sein werden. Bis zum Jahr 2100 drohen Eisverluste bis zu 75 Prozent. Doch für die Wintersportorte und den Skitourismus in den Alpen ist eine andere Frage deutlich drängender: Sie müssen wissen, wie sich die winterliche Schneedecke in Zukunft entwickeln wird. “Erfahrungen zeigen, dass eine Schneedicke von mindestens 30 Zentimetern in den 100 Tagen zwischen 1. Dezember und 15. April das Minimum ist, um einen Skiort wirtschaftlich zu betrieben”, erklären Christoph Marty und seine Kollegen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Davos.
Skisaison wird kürzer
Ob diese Voraussetzungen in den kommenden Jahrzehnten noch erfüllt werden und wo, haben sie in einer umfangreichen Modellstudie untersucht. Dafür speisten sie ein Modell alpiner Schnee- und Oberflächenprozesse mit meteorologischen Daten und kombinierten dies mit einer auf verschiedenen Klimaszenarien beruhenden Simulation der künftigen Entwicklung. Für zwei unterschiedliche Gebiete in den Schweizer Alpen – die Aare-Region in der Zentralschweiz und die Grisons-Region in der Ostschweiz – simulierten sie damit die künftige Schneebedeckung in unterschiedlichen Höhenlagen. Sie betrachteten dabei die Situation für die Zeitperioden von 2020 bis 2049, von 2045 bis 2074 und von 2070 bis 2099.
Das Ergebnis: Unabhängig vom kommenden Ausmaß des Klimawandels wird die Schneesaison in den Alpen künftig auf jeden Fall kürzer und die Schneedecke dünner. Wie stark allerdings der Schneerückgang ausfällt, hängt von der Höhenlage und vom Klimaszenario ab, so die Forscher. Am stärksten betroffen sind die Höhenlagen zwischen 1000 und 1500 Metern – eine Höhe, in der ein Großteil der Skigebiete liegt. “Auf rund 1000 Metern Höhe dauert die Schneesaison zurzeit rund vier Monate – von Dezember bis Ende März”, sagen Marty und seine Kollegen. “Am Ende dieses Jahrhunderts wird es bei nahezu ungebremster Erwärmung in dieser Höhenlage so gut wie keinen Schnee mehr geben.” Auf 1500 Metern Höhe wird ihren Prognosen nach die Skisaison schon im Jahr 2035 zwei Wochen später beginnen und zwei Wochen früher aufhören. Bis 2085 schrumpft die Zeit der Schneebedeckung um 13 Wochen.





