Text: Oliver Abraham
In gutem Abstand zum Zaun stehen sie, ein Tier hat aufmerksam die näher kommenden Menschen im Blick: 32 Alpakas grasen auf der österreichischen Alm hoch über Wagrain im Bundesland Salzburg. Doch kaum klappert Bernhard Maurer mit dem Futtereimer, kommen die Tiere seiner Alpaka-Alm schon angelaufen.
Als Bernhard Maurer 2012 den Hof übernahm, war er noch kein Landwirt, damals gab es für ihn nur die Familientradition: „Das Kitzsteingut war über Generationen ein Familienbetrieb, meine Eltern haben Milchvieh gehalten. Aber in der heutigen Zeit lohnt sich das wegen der Lage und Größe nicht mehr.“ Also musste Maurer überlegen, ob und wie er das Erbe erhalten könnte. Die Frage war: „Gebe ich den Hof auf – oder mache ich was draus?“ Dass es mit Rindern und Milch nicht gehen würde, war klar. Also machte er sich auf die Suche nach anderen Nutztieren. „An Alpakas dachte ich zunächst noch überhaupt nicht, aber ich kannte Leute, die sie halten“, berichtet Maurer, „Alpakas bedeuten verglichen mit anderen, klassischen Nutztieren weniger Aufwand – und die Aussicht auf einen finanziellen Ertrag.“ Ein weiterer Pluspunkt: EU-Fördermittel gibt’s auch. Flächenförderungen für ökologische Bewirtschaftung mit Tierhaltung samt Zuschlägen für exponierte Lagen – etwa auch dort, wo der Almhof liegt. 2013 standen dann die ersten Alpakas auf der Alm. Der aus der Finanzbranche kommende Maurer hatte inzwischen eine Lehre zum Facharbeiter Landwirtschaft draufgesattelt und war bereit für das Abenteuer.
Almerhaltung durch Alpakas
Die Kleinkamele dienen Maurer unter anderem als Landschaftsgärtner. Denn Almen sind Kulturlandschaften und müssen bewirtschaftet werden, damit sie erhalten bleiben. „Wenn Weideflächen nicht mehr bewirtschaftet werden, wird aus Gras-, Kräuter- und Blumenwiesen eine Busch- und Baumlandschaft“, erklärt Maurer. „Sie verholzen, dann verlieren Kleintiere wie Schmetterlinge und Vögel ihre Lebensgrundlage.“ Dafür kämen vielleicht andere Tiere und Vögel, die sich im Busch wohlfühlen, aber: „Verlorene Kulturlandschaft bleibt verloren.“
In einem Landschaftsmosaik, wie es traditionelle Kulturlandschaften – zum Beispiel Heiden, Waldhuten oder Almen – bieten, ist die Vielfalt an Flora und Fauna aufgrund der Verzahnung verschiedener Lebensräume größer als anderswo. Dort leben seltene, teils bedrohte Arten, die sonst keinen Lebensraum mehr finden oder woanders schon ausgestorben sind. Deshalb sind solche Landschaften besonders wertvoll. Doch in der modernen Landwirtschaft haben die traditionellen Beweidungsformen so gut wie keinen Platz mehr, die Landschaftsräume wachsen daher zu oder werden anderweitig genutzt. Das Offenhalten der Landschaft mit Menschen und Maschinen ist möglich, aber teuer und aufwendig. Doch manchmal gibt es Alternativen: Alpakas.





