Gorillas und Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten. Doch das hat uns Menschen bislang nicht daran gehindert, diese Menschenaffen an den Rand der Ausrottung zu bringen. “Zwar sind alle Menschenaffen durch nationale Gesetze und internationale Konventionen geschützt – es ist illegal, sie zu töten, zu fangen oder mit lebenden oder toten Tieren Handel zu treiben”, erklären Samantha Strindberg von der Wildlife Conservation Society und ihre Kollegen. Trotzdem gefährden Wilderei, die Abholzung von Urwald zugunsten von Palmölplantagen und andere Eingriffe des Menschen weiterhin das Überleben der Menschenaffen.
Mehr Menschenaffen als erwartet
Um herauszufinden, wie groß die Bestände im Kongobecken, dem wichtigsten Verbreitungsgebiet der Gorillas und Schimpansen, noch sind, haben die Forscher über zehn Jahre hinweg die bisher größte “Volkszählung” bei Westlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) und Zentralafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes troglodytes) durchgeführt. Mehr als 90 Prozent aller Individuen der vier Gorilla-Unterarten leben im westlichen Äquatorialafrika. Auch die Mehrzahl der Schimpansen ist hier beheimatet. Für ihre Studie verbrachten die Forscher insgesamt rund 61.000 Tage im Feld und legten eine Strecke von 8700 Kilometern zurück.
Das erfreuliche Ergebnis: Im Kongobecken leben mehr Menschenaffen als erwartet. Die Zählung ergab rund 360.000 Westliche Flachlandgorillas und 130.000 Zentralafrikanische Schimpansen. Bei den Gorillas sind die Bestände damit rund 30 Prozent, bei den Schimpansen etwa neun Prozent höher als bislang vermutet. Der größte Teil beider Affenarten lebt in den beiden Ländern Kongo und Gabun. Nach Angaben der Forscher kommt diese Steigerung vor allem dadurch zustande, dass man Gebiete in die Analysen einbezogen hat, die zuvor nicht als Lebensräume von Gorillas und Schimpansen eingestuft wurden oder die nicht untersucht werden konnten.
“Das Ergebnis ist spektakulär und als Naturschützer freut es mich natürlich, dass es mehr Gorillas und Schimpansen gibt als bisher gedacht”, sagt Thomas Breuer, Referent für Zentralafrika beim WWF Deutschland und Co-Autor der Studie.
Rückgang der Bestände hält dennoch an
Doch es gibt auch eine weniger gute Nachricht: Vor allem die Zahlen der Gorillas gehen immer weiter zurück. Zwischen 2005 und 2013 nahm der Gorillabestand im westlichen äquatorialen Afrika demnach um 19,4 Prozent ab – dies entspricht einer jährlichen Verlustrate von rund 2,7 Prozent. “Beide Arten sind weiter bedroht und unsere Analysen zeigen, dass insbesondere der Bestand des Gorillas deutlich zurückgeht. Wir haben somit lediglich etwas länger Zeit für die Rettung, aber die Lage bleibt kritisch”, sagt Breuer.





