Zehn Prozent aller frisch ausgebildeten Fachärzte in den USA fühlen sich bestimmten Anforderungen ihres Berufes nicht gewachsen. Einer im Journal of the American Association veröffentlichten Studie zufolge glaubt die Mehrheit der Absolventen zwar, eine gute Ausbildung durchlaufen zu haben und optimal auf die jeweilige Fachrichtung vorbereitet zu sein. Ein Defizit gäbe es aber bei interdisziplinären Fragen wie der Behandlung von Drogenabhängigen, Gewaltopfern, Aids-Kranken und Menschen in Altenpflegeheimen. Das fand das Forscherteam unter David Blumenthal vom Massachusetts General Hospital.
Bei der Auswertung von fast 5.000 Fragebögen wurde deutlich, auf welche medizinischen Probleme sich die jungen Ärzte nur unzureichend vorbereitet fühlen. So fürchten zwanzig Prozent der Allgemeinärzte beispielsweise, der Behandlung von Aids-Kranken nicht gewachsen zu sein. 32 Prozent der Anästhesisten wären sich unsicher bei der Betreuung von Patienten mit chronischen Schmerzen. 19 Prozent der Gynäkologen klagen über eine mangelnde Vorbereitung im Umgang mit depressiven Patientinnen und 42 Prozent der Internisten fühlen sich nicht ausreichend geschult, um Gewaltopfer zu behandeln.
Der rasante Fortschritt und die immer größere Komplexität von medizinischen Problemen machten es nahezu unmöglich, eine allumfassende Ausbildung zu garantieren, stellen die Autoren fest. Für die meisten Absolventen ergebe sich deshalb die Notwendigkeit ergänzender Programme, um auch auf Fragen vorbereitet zu werden, die während des Studiums zu kurz kommen. Dennoch, so das Fazit, habe die medizinische Ausbildung in den USA ein hohes Niveau und die Qualität der Behandlung sei trotz bestimmter Mängel nicht gefährdet.
Marion Herzog





