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Ältestes Fossil eines Dinosauriers mit Kuppelkopf
Erde & Umwelt

Ältestes Fossil eines Dinosauriers mit Kuppelkopf

In der Mongolei haben Paläontologen das nahezu vollständige Fossil eines jugendlichen Pachycephalosauriers mit einem sogenannten Kuppelkopf gefunden. Die kreidezeitlichen Knochen sind etwa 115 bis 108 Millionen Jahre alt. Das bedeutet: Dieser Dinosaurier-Teenager lebte mindestens 14 Millionen Jahre früher als die bisher ältesten bekannten Exemplare dieser Dickkopfsaurier. Das charakteristische kuppelförmige Körpermerkmal hat sich demnach früher in der Dino-Evolution entwickelt als bisher angenommen. Das Fossil gibt auch neue Einblicke in den Körperbau und das Aussehen dieser Dino-Art.
Autor
Claudia Krapp
17. September 2025
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Die pflanzenfressenden Pachycephalosaurier kamen während der Kreidezeit auf der Nordhalbkugel vor. Bekannt sind diese zweibeinig laufenden Dinosaurier für ihren auffälligen kuppelförmigen Kopf, der durch einen stark verdickten und vergrößerten Schädelknochen zustande kam. Diese deshalb auch Dickkopfsaurier genannten Tiere entwickelten dieses spezielle Körpermerkmal im Zuge der Evolution wahrscheinlich, um mit dem Schmuck Sexualpartner anzulocken oder um Konkurrenten um diese Partner per Kopfstoß-Duell zu übertrumpfen. „Die Kuppeln hätten weder Schutz vor Raubtieren geboten noch zur Temperaturregulierung beigetragen, daher dienten sie wahrscheinlich eher dazu, sich zu präsentieren und um die Gunst potenzieller Partner zu werben“, erklärt Seniorautorin Lindsay Zanno von der North Carolina State University.

Künstlerische Darstellung von zwei kämpfenden Pachycephalosauriern
Künstlerische Rekonstruktion des Pachycephalosauriers. © Masaya Hattori

Wann genau und warum sich die Pachycephalosaurier und ihr domförmiger Kopf entwickelten, war bislang jedoch unklar. Denn es wurden bisher nur wenige Fossilien dieser Dino-Art gefunden, von denen zudem viele unvollständig waren. „Pachycephalosaurier sind ikonische Dinosaurier, aber sie sind auch selten und mysteriös“, sagt Zanno.

Gut erhaltenes Dino-Fossil füllt Wissenslücken

Jetzt haben Forschende um Zanno und Erstautor Tsogtbaatar Chinzorig von der Mongolischen Akademie der Wissenschaften in Ulaanbaatar ein neues Pachycephalosaurier-Fossil gefunden. In der Wüste Gobi in der Mongolei entdeckten sie das bemerkenswerte Skelett eines kleinen Pachycephalosauriers mit Kuppelkopf. Sie nannten ihn Zavacephale rinpoche. „Zava“ ist tibetisch und bedeutet „Wurzel“ oder „Ursprung“, „cephal“ ist Latein für „Kopf“. „Rinpoche“ ist tibetisch für „kostbar“ und bezieht sich auf den gewölbten Schädel, den die Paläontologen wie ein exponiertes Juwel auf einer Klippe vorfanden. Die Knochen stammen aus einer Gesteinsformation aus der frühen Kreidezeit. Damals war das mongolische Tal noch keine Wüste, sondern von Seen durchzogen und von Klippen oder Steilwänden umgeben.

Analysen des Fossils enthüllten, dass dieser Dickkopfsaurier nur etwa einen Meter lang war und 5,85 Kilogramm wog. Ausgewachsene Pachycephalosaurier konnten bis zu 4,3 Meter lang und bis zu 410 Kilogramm schwer werden. Deswegen und aufgrund der jugendlichen Knochenstruktur des neuen Fossils gehen die Forschenden davon aus, dass es sich bei Zavacephale rinpoche um einen Dino-Teenager handelt. Da seine Kuppel zwar nur wenige der sonst üblichen Verzierungen aufwies, aber insgesamt bereits gut entwickelt war, war er zum Todeszeitpunkt wahrscheinlich schon geschlechtsreif, vermutet das Team. Obwohl sein Körper noch eher kindlich war, hatte er also bereits den Kopf eines jungen Erwachsenen.

Foto der Handknochen des gefundenen Dino-Fossils
Handknochen von Zavacephale rinpoche. © Alfio Alessandro Chiarenza

Die Knochen des jungen Dickkopfsauriers sind nahezu vollständig erhalten, einschließlich des Schädels und der Gliedmaßen. „Es ist das bisher am vollständigsten erhaltene Skelett eines Pachycephalosauriers“, sagt Chinzorig. „Zavacephale rinpoche gibt uns damit einen beispiellosen Einblick in die Anatomie und Biologie der Pachycephalosaurier“, ergänzt Zanno. Aus dem Fossil geht beispielsweise erstmals hervor, wie die Hände der Pachycephalosaurier aussahen, dass sie einen gelenkigen Schwanz mit bedeckten Sehnen hatten und dass sie Magensteine zum Zerkleinern von Nahrung verwendeten. Dieser Körperbau war bislang unbekannt.

Kuppelköpfe entwickelten sich früher als gedacht

Zudem erlaubt das gut erhaltene Fossil eine genauere Datierung seines Alters. Demzufolge lebte der Dino vor etwa 115 bis 108 Millionen Jahren – und damit mindestens 14 Millionen Jahre früher als die Dickkopfsaurier, deren Fossilien bisher gefundenen wurden. „Zavacephale rinpoche ist etwa 15 Millionen Jahre älter als alle bekannten Pachycephalosaurier-Fossilien“, sagt Chinzorig. Demnach handelt es sich bei dem gefundenen Zavacephale rinpoche um eine frühe Evolutionsform der Kuppeldinosaurier, schließt das Team.

„Zavacephale rinpoche ist ein wichtiges Exemplar für das Verständnis der Schädeldomentwicklung von Pachycephalosauriern, die aufgrund des Fehlens von frühen, divergierenden oder vorspäten kreidezeitlichen Arten und der fragmentarischen Natur fast aller Pachycephalosaurier-Fossilien lange Zeit diskutiert wurde“, sagt Chinzorig. Das neu gefundene Fossil füllt dabei wesentliche Wissenslücken, sowohl mit Blick auf die Zeitlinie und Lebenszeit dieser Art als auch hinsichtlich der anatomischen Entwicklung der einzelnen Tiere. „Da sich die Kopfverzierungen im Laufe des Wachstums verändern, war es bislang schwierig, die jeweilige Art oder das Entwicklungsstadium eines Tieres zu bestimmen“, sagt Zanno. „Nun können wir erstmals das Wachstumsstadium und die Entwicklung der Kuppelstruktur miteinander in Verbindung bringen.“

Quelle: Tsogtbaatar Chinzorig (North Carolina State University) et al.; Nature, doi: 10.1038/s41586-025-09213-6

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