Wann die ersten Eukaryoten entstanden – und damit der mit einem Zellkern ausgestattete Zelltyp aller höheren Lebewesen – ist noch immer ungeklärt. Denn Fossilien dieser allerersten, wahrscheinlich noch einzelligen Ur-Eukaryoten wurden bisher nicht gefunden. Forscher gehen aber davon aus, dass sich der Urahn aller höheren Zellen schon vor rund 2,7 Milliarden Jahren entwickelt haben könnte. Aus ihm bildeten sich dann die Vorfahren aller Pflanzen, Tiere und Pilze. Während Paläontologen erst vor Kurzem mögliche fossile Vertreter e iner sehr frühen Urpflanze in Indien entdeckt haben, fehlte es für die Pilze bisher an ähnlich alten Fossilien. Der älteste bekannte Beleg für einen urzeitlichen Pilz ist ein rund 440 Millionen Jahre altes versteinertes Pilzmyzel, das von einem der ersten landlebenden Vertreter dieser Organismengruppe stammen könnte. Doch viele Forscher gehen davon aus, dass die Entwicklung der Pilze weitaus früher einsetzte – ob dies jedoch auf dem Land oder unter Wasser geschah, blieb bisher offen.
Verzweigte Filamente im Urzeit-Basalt
Ein neuer Fund von Stefan Bengtson vom Schwedischen Museum für Naturgeschichte in Stockholm und seinen Kollegen könnte nun ein neues Licht auf die Entwicklungsgeschichte der Pilze werfen. Für ihre Studie hatten die Forscher Bohrkerne aus der 900 Meter dicken Ongeluk-Basaltformation in Südafrika untersucht. Diese Basalte wurden vor rund 2,4 Milliarden Jahren gebildet, als heiße Lava aus vulkanischen Spalten am Meeresgrund quoll. In den Bohrkernproben aus diesem Basalt entdeckten die Wissenschaftler eine Vielzahl verzweigter, feiner Filamente. Diese haben einen Durchmesser von nur rund zwei bis zwölf Mikrometer und sind damit dünner als ein menschliches Haar. Häufig bilden die Fäden Verzweigungen oder scheinen in sogenannten Anastomosen wieder miteinander verschmelzen, wie die Forscher berichten. Einige Fäden tragen kugelige, fünf bis zehn Mikrometer große Verdickungen an ihren Enden. “Ein wiederkehrendes Merkmal sind auch Filamentbündel, die eine besenartige Struktur bilden”, so Bengtson und seine Kollegen. “In einigen Hohlräumen bestehen diese Besen aus Dutzenden von verzweigten Filamenten.”
Doch sind diese Filamente tatsächlich biologischen Ursprungs? Immerhin können auch geologische Prozesse in Gesteinsritzen filamentartige Strukturen erschaffen. Nach Ansicht von Bengtson und seinen Kollegen sprechen jedoch gleich mehrere Merkmale der neuentdeckten Filamente gegen eine bloß geologische Formation. Dazu gehören die Form und Größe der kugeligen Strukturen, die am ehesten Pilzsporen ähneln, die Bildung von Anastomosen in den fädigen Bereichen und auch die mineralische Zusammensetzung der Mikrofossilien. “In den Abmessungen ihrer Fäden, der Netzwerk-Architektur und der möglichen Lebensweise stimmen die Ongeluk-Fossilien am ehesten mit Pilzen überein”, konstatieren die Forscher. “Auch die Neigung der Filamente, als besenartige Büschel aus dem Untergrund emporzuwachsen, passt zu Pilzen.” Ein typisches Kennzeichen echter Fossilien allerdings fehlt den Filamenten: Reste organischer Kohlenstoffverbindungen. Wie die Forscher erklären, ist dies jedoch gerade bei sehr alten Mikrofossilien typisch, wenn diese in Gegenwart stark oxidierender Minerale konserviert wurden.





