Menschenaffen sind uns in vielem sehr ähnlich: Sie sind neugierig, lernfähig und erkunden ihre Umwelt sehr intensiv. Gorillas, Schimpansen und die mit ihnen eng verwandten Bonobos unterscheiden sich dabei jedoch durchaus. “Experimente in Gefangenschaft zeigen, dass Bonobos fremden Dingen gegenüber negativer reagieren als Schimpansen oder Gorillas”, erklären Ammie Kalan vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Doch ob das auch bei wildlebenden Menschenaffen so ist, war bisher unbekannt.
Reaktion auf Fotofallen im Test
Um Einblicke in diese Frage zu erhalten, haben Kalan und ihr Team nun ein in der Wildtierforschung häufig eingesetztes Hilfsmittel als Studienhelfer genutzt: Fotofallen. Durch die meist an Baumstämmen befestigten Kameras bekommen Biologen wertvolle Einblicke in das Verhalten von Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum – aber nur, wenn die Fallen das Verhalten der Tiere nicht beeinflussen. Ob und wie die Menschenaffen auf Fotofallen reagieren, ist jedoch bisher nicht systematisch untersucht worden. Deshalb haben die Forscher nun insgesamt 2078 Videos von Kamerafallen im Territorium von 43 Menschenaffen-Gruppen aus allen drei Arten ausgewertet. “Unser Ziel war es, die Reaktionen von Schimpansen, Bonobos und Gorillas auf unbekannte Objekte in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten”, erklärt Kalan.
Es zeigte sich: Alle drei Menschenaffenarten bemerkten die Kameras und schauten in Richtung des für sie fremden Objekts. Doch die daraufhin erfolgenden Reaktionen waren je nach Art sehr unterschiedlich: “Die Schimpansen interessierten sich generell eher weniger für die Kamerafallen – sie schienen ihre Anwesenheit kaum zu bemerken und fühlten sich im Allgemeinen nicht von ihnen gestört”, sagt Kalan. Deutlich interessierter zeigten sich dagegen die Bonobos und Gorillas: Sie nahmen die Kameras meist deutlich länger ins Visier, wie die Forscher berichten.
(Video: Current Biology)
Bonobos sind am misstrauischsten
“Besonders überrascht waren wir über die unterschiedlichen Reaktionen, die wir bei Schimpansen und Bonobos beobachtet haben”, berichtet Kalan weiter. “Als nahe verwandte Arten sind sie einander genetisch sehr ähnlich. Wir erwarteten also, dass sie auch ähnlich auf die Kameras reagieren würden – aber das war nicht der Fall.” Während die Schimpansen eher gleichmütig auf die fremden Objekte reagierten, fühlten sich die Bonobos offenbar von den Kamerafallen gestört: “Sie näherten sich ihnen nur zögerlich oder hielten sich sogar absichtlich von ihnen fern”, so Kalan.





