Kanadische Forscher lassen sich von Viren bei der Entwicklung neuer Antibiotika inspirieren: Die Wissenschaftler untersuchen, wie so genannte Bakteriophagen ? Viren, die ausschließlich Bakterien befallen ? die Vermehrung ihres Wirtsbakteriums verhindern und suchen dann nach Wirkstoffen, die den gleichen Effekt haben. Die Biochemiker beschreiben die Methode in der Fachzeitschrift Nature Biotechnology (Online-Vorabveröffentlichung, DOi: 10.1038/nbt932).
Nachdem die Gefahr resistenter Bakterien stetig wächst, suchen Wissenschaftler in aller Welt fieberhaft nach neuen, noch nicht wirkungslos gewordenen Antibiotika. Michael DuBow von der McGill-Universität und seine Kollegen aus Montreal und Ville Saint Laurent haben nun eine neue, erfolgsversprechende Strategie für diese Suche entwickelt: Sie imitieren natürliche Feinde der Bakterien, so genannte Bakteriophagen.
Genauso wie Menschen Schnupfen oder Grippe bekommen, können sich auch Bakterien mit bestimmten Viren, den Bakteriophagen, infizieren. Diese Mikroorganismen haben ganz besondere Strategien entwickelt, mit denen sie den Stoffwechsel und das Wachstum befallener Bakterien vollständig zum Stillstand bringen können. DuBow und seinen Kollegen gelang es nun, einige dieser Strategien aufzudecken und herauszufinden, welche Eiweißstoffe im Stoffwechsel der Bakterien von den Viren angegriffen werden. Mit Hilfe dieser Kenntnisse suchen die Wissenschaftler nun nach Substanzen, die ähnliche Wirkungen haben und die gleichen Vorgänge in der Bakterienzelle hemmen.
Die Wissenschaftler konnten so bereits mehrere Wirkstoffe identifizieren, die das Wachstum multiresistenter Staphylococcus-Bakterienstämme stoppten. Ihre Methode sei verhältnismäßig einfach anzuwenden und äußerst vielseitig, schreiben DuBow und seine Kollegen. Sie planen nun, ihre Untersuchungen auf andere Bakterienarten und weitere Bakteriophagen auszudehnen und so eine Vielzahl neuer, antibiotisch wirksamer Substanzen zu entdecken.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





