Tuberkulosebakterien sind auf ein bestimmtes Protein in ihrer Zellwand angewiesen, um – ausgehend von der Lunge – auch andere Organe infizieren zu können. Das berichten französische und amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt Nature.
Im Verlauf einer durch Mykobakterien verursachten Lungen tuberkulose kann es dazu kommen, dass sich die Erreger vom primären Infektionsort aus in verschiedene andere Teile des Körpers ausbreiten. Dieser Dissemination oder Erregerstreuung genannte Prozess verschlimmert den Krankheitsverlauf und erschwert die Behandlung.
Die Arbeitsgruppe von Camille Locht vom Institut Pasteur de Lille hat zusammen mit amerikanischen Wissenschaftlern ein Protein mit der Bezeichnung HBHA (heparin-binding haemagglutinin) auf der Zelloberfläche von Tuberkulosebakterien nachgewiesen, das eine Bindung an andere Zellen des Körpers ermöglicht. Wie Tierversuche ergaben, waren Mykobakterien, denen dieses Protein fehlte, kaum noch in der Lage, Epithelzellen anderer Organe zu infizieren. Die Fähigkeit zur Infektion der Lunge blieb davon unberührt.
Locht bezeichnet die Arbeit als einen ersten Schritt zu einem molekularen Verständnis der Dissemination und zur Entwickling neuer Medikamente. “Wenn man die Aktivität von HBHA blockieren könnte, wäre das eine Möglichkeit, die Dissemination zu verhindern.” Nach entsprechenden Wirkstoffen werde jetzt gesucht.
Joachim Czichos





